Posts by sig

    Vielleicht mag der eine oder die andere mitmachen:


    "Hallo lieber Fanclub Profans,

    Wir sind fünf Studenten im zweiten Jahr des Masters „Interkulturelle Kommunikation und Übersetzung“ der Hochschule ISIT Paris. Im Rahmen einer Zusammenarbeit mit der Stadt Paris wollen wir mehr über die Erwartungen und Wünsche der Touristen und Fußballfans während der EM 2016 erfahren. Das Ziel ist die Touristen so umfassend wie möglich zu informieren, um ihren Aufenthalt in Paris so angenehm wie möglich zu gestalten.

    Darum haben wir eine aus 10 Fragen bestehende Umfrage erstellt, die nur wenige Minuten in Anspruch nimmt und völlig anonym ist.

    Wäre es Ihnen möglich diese Umfrage an ihre Mitglieder weiterzuleiten? Wir wären ihnen dankbar, denn jede Antwort ist uns wichtig. Hier der Link: Umfrage

    Wenn Sie mehr über unser Projekt erfahren wollen oder die Ergebnisse der Umfrage kennen wollen, können Sie uns gerne kontaktieren, wir werden ihnen so schnell wie möglich antworten.

    Mit freundlichen Grüßen,

    -Benoît, Elodie, Johanna, Marie & Selene
    -Carole Couque, Projektleiterin und Geschäftsführerin von ASEL Translation, Übersetzungsagentur spezialisiert im Bereich Sport"

    ...gibt's hier ja immer mal Glückwünsche. Also dann dem heutigen Geburtstagskind alles Liebe und Gute, und unserm Scheffe nachträglich auch noch!!! 8)

    Hier mal ein paar Informationen von den letzten Tagen und Wochen.


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    Im Juli fand das ProFans-Treffen in Osnabrück statt. Beschlossen wurden drei Tätigkeitsschwerpunkte für die nächste Zeit, und zwar:


    - Anstoßzeiten
    - Verbandsstrafen an die Vereine (und Umlegung auf einzelne Fans)
    - Zulassung von Fanutensilien


    Es sind Schwerpunkte ohne Ausschließlichkeitsanspruch. Aber es gibt da eine gewisse "Arbeitsteilung". So wird z. B. das 50+1-Thema sehr aktiv und kompetent von "Unsere Kurve" vertreten oder die Stehplatz- und Eintrittspreise-Problematik von "Kein Zwanni". Dazu, wie ProFans die anderen Themen weiterhin im Auge hat, siehe weiter unten.


    Es wurde ein Mitgliedsbeitrag beschlossen. Ist aber noch nicht veröffentlicht. Wenn ich mich richtig erinnere, war von 20 Euro pro Jahr pro Gruppe die Rede.


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    Gleich zu einem der o. g. Themen, Fanutensilien. Es gab vor zwei Wochen einen Brief des DFB an die Vereine (1. - 3. Liga) mit der eigentlich unmissverständlichen Bitte, einen bestimmten Katalog von Fanutensilien in allen Blöcken der Stadien ohne weitere Voraussetzungen zuzulassen. Der Brief, wie gesagt vom DFB selbst verfasst, entsprach inhaltlich dem, worauf sich die Arbeitsgruppe Faninteressen im Rahmen der Sicherheits-Kommisssion geeinigt hatte. Bereits am nächsten Tag jedoch hat Hendrik Große Lefert (als Kommissions-Vorsitzender) ein Interview gegeben, welches darauf hinausläuft, dass der Brief ganz anders gemeint sei als was darin zu lesen ist. Man wolle nur eine Diskussion anstoßen und sich auf "Definitionen" einigen, was unter bestimmten Fanutensilien zu verstehen ist.


    Ganz, ganz schwache Kür! Und wieder einmal eine großartige Verballhornung der Fanvertreter, die wirklich unglaubliche Zeit und Geduld in die Gespräche investiert haben, denn im Gegensatz zu den DFB-/DFL-Leuten verdienen sie damit ja nicht ihre Brötchen. Man hat wirklich den Eindruck, der DFB lernt's nie. :(


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    Eine bessere Nachricht kam aus Düsseldorf. Für vier Spieltage soll testweise die Polizeipräsenz verringert werden. Dazu gibt es eine Stellungnahme von ProFans:


    Quote

    ProFans weist seit langer Zeit darauf hin, dass die Polizeieinsätze bei Fußballspielen vielfach unverhältnismäßig sind, verbunden mit hohen Kosten, die im Gegensatz zu sozialpädagogischer Arbeit keinerlei längerfristige Wirkung haben. Bei einem Treffen mit Herrn Jäger haben wir angeregt, dass an der Stelle weniger mehr wäre. Demgemäß begrüßen wir den aktuellen Vorstoß, die Einsatzzahlen mit besserem Augenmaß festzulegen und in der Summe zu reduzieren sowie die meist sehr martialische, augenfällige Präsenz der Polizeikräfte zurückzufahren.


    Ein solcher Schritt wird fraglos die besonnenen Kräfte in den Fanszenen stärken. Dabei sind wir uns im Klaren, dass es auch künftig da und dort eine Sachbeschädigung, eine Prügelei oder einen Diebstahl geben wird. Aber auch mit noch so übermächtiger Polizeipräsenz lässt sich das nicht immer und überall verhindern. Daher sollte der Fokus darauf gelegt werden, wie sich die Maßnahmen insgesamt auswirken werden. Allein schon darum, weil oftmals erst restriktive, freiheitsbeschränkende Eingriffe der Polizei, die von den Fans als unverhältnismäßig empfunden werden, Konflikte initiieren, erwarten wir unterm Strich einen Rückgang der Vorfälle.


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    Die Kampagne "Nein zu RB" http://www.nein-zu-rb.de wird von ProFans unterstützt. Dazu wird es (wahrscheinlich morgen) eine Pressemitteilung geben. Bitte beachtet dazu http://www.profans.de .

    Presseinformation des Eisernen V.I.R.U.S. e. V. –
    Die Union-Supporter


    vom 21. August 2013



    FSV Frankfurt erhält als bester Gastgeber den JWD-Pokal
    der Fanorganisation Eiserner V.I.R.U.S.


    Zum fünften Mal vergibt die Supporterorganisation des 1. FC Union Berlin, der Eiserne V.I.R.U.S. e.V., den Pokal für den fanfreundlichsten Gastgeber der Vorsaison. Der diesjährige Sieger ist der traditions­reiche hessische Verein FSV Frankfurt, der die Reihe der Aus­gezeichneten (bisher: SV Sandhausen, 1. FC Kaiserslautern, FC Augs­burg, FC Erzge­birge Aue) fortsetzt.


    Die vergangene Fußballsaison Deutschlands war neben Titelgewinnen in der Europa­meisterschaft der Frauen und der Champions League vor allem durch Diskussionen zum Umgang mit den Zuschauern und durch Fanproteste geprägt. Fast schien es in Ver­­ges­senheit zu geraten, dass ein Stadionbesuch hierzulande alles andere als gefahr­­­­voll ist und dass Deutschlands Fußballfans in ihrer übergroßen Mehrzahl sich ebenso dis­zipliniert wie begeisterungsfähig zeigen. Eben deshalb wehren sie sich gegen un­ver­hältnismäßige Zumutungen im Zuge einer völlig verzerrt geführten Sicherheits­debatte.


    Gerade die sogenannten „Gäste-Fans“ können sich allzu oft, von Polizei eingekesselt, von Ordnern schikanös und diskriminierend durchsucht und in Blöcke gepfercht, die ebenso wie die dort geltenden Sicherheitsauflagen weit jenseits des Standards der übrigen Stadionbereiche ausgestaltet sind, mit­nichten als willkommene Gäste fühlen. Das wiederum befördert aggressives Verhalten eher, als es dies eindämmt.


    Umso wichtiger ist es, Beispiele herauszustellen, wo ein fairer, würdiger Umgang mit den Gästefans wesentlich zu einer freundlichen, gewaltfreien und dennoch leiden­schaft­­lich stimmungsvollen Atmosphäre beiträgt. Genau das beobachten die Supporter des Eisernen V.I.R.U.S. seit Jahren beim FSV Frankfurt. Dabei scheint es im regiona­len Umfeld noch zu wenig bekannt zu sein, wie man dort bemüht ist, seinen Zuschau­ern alle Rahmenbedingungen zu einem wunderbar eindrucksvollen Fußballerlebnis zu bieten.


    Dies breiter publik zu machen, liegt, wie V.I.R.U.S.-Vorstandsmitglied Sig Zelt betont, durchaus im Sinne der Auszeichnung, denn „gerade der Umgang mit den gegneri­schen Fans ist ein Prüfstein der Zuschauerfreundlichkeit und ist mitentscheidend da­für, wie sich die Fans zum Veranstalter, aber auch zueinander verhalten.“ So steht das Kürzel „JWD“ – im Berliner Slang als „janz weit draußen“ bekannt – hier für: „Jut war’t, danke!“


    Die Pokalübergabe wird am kommenden Sonntag im Rahmen des Punktspiels des FSV Frankfurt gegen den 1. FC Union Berlin stattfinden.

    Die folgende Ankündigung kam leider sehr kurzfristig, erst gestern Abend. Beim Pressefest des ND am bevorstehenden Wochenende gibt es ein Podiumsgespräch mit den Herren Große Lefert (DFB), Gabriel (KOS) und Endemann (BAFF).


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    Mein Name ist Alexander Ludewig und ich bin Sport/Fußballjournalist bei der Berliner Tageszeitung “neues deutschland”.


    Am 1. und 2. Juni findet unser alljährliches Pressefest statt, diesmal am Theater Volksbühne in Berlin-Mitte.


    Wir, die Sportredaktion, veranstalten in diesem Rahmen eine Gesprächsrunde mit dem Thema “Sichere Stadien” --- 2. Juni, 11 Uhr.


    Fazit einer bewegten Saison mit etlichen Sicherheitspapieren und Fangipfeln, Aktuelle Bestandsaufnahme, Ausblick


    Es diskutieren:
    Hendrik Große Lefert (DFB-Sicherheitschef)
    Michael Gabriel (Leiter Koordinierungsstelle Fanprojekte)
    Martin Endemann (BAFF)


    Es moderieren:
    Christoph Ruf (Journalist und Buchautor)
    Alexander Ludewig (nd-Sportredakteur)


    Wir würden uns über interessierte Zuhörer aus euren Reihen freuen.


    Danke und beste Grüße aus Berlin
    A. Ludewig


    Alexander Ludewig
    neues deutschland

    Nun kurz an dieser Stelle zu den vergangenen Treffen.


    Beim Fanrechtefonds gibt es im Kassenrat zwei personelle Veränderungen, die zum Ziel haben, wieder mehr Schwung hineinzubringen. In letzter Zeit war die Wirkung zu gering, was die Informationsarbeit betraf und das Heranziehen von Fällen. Wir wissen ja selbst, wie schwierig das ist, hatten wir hier bei Union ja auch schon einige potentiell für eine Unterstützung durch den Fonds durchaus geeignete Fälle, deren Verfolgung dann aus verschiedenen Gründen nicht zustande kam. Einer der neuen Kassenräte ist auch bei der Nürnberger Schwarz-Roten Hilfe "im Geschäft", die sind ja dort gut vernetzt und sehr aktiv auch beim Sammeln von Vorkommnissen, die nicht die eigene Szene betreffen.


    Das Protokoll der Spenderversammlung ist noch nicht fertig.


    Bei ProFans bzw. auch dem gemeinsamen Teil mit UK ging es neben der Einschätzung der Wirkung der Proteste vom Herbst nicht nur darum, wie es aus unserer Sicht weitergeht, sondern auch um das Verhältnis der Fanorganisationen untereinander bzw. das Verhältnis Organisationen - Kampagnen (wie "12:12"). ProFans ist inzwischen dabei, ein Papier zu erarbeiten zum Selbstverständnis der Organisation. Näheres dazu kann ich vielleicht am 7. 3. kurz darlegen.


    Die Wirkung Fanproteste vor dem 12. 12. wird als Erfolg angesehen und wir geben uns gewissen Hoffnungen hin, dass das Signal, die Meinungen der Fans ernster zu nehmen, auch ein Stück weit angekommen ist. Momentan ruhen da auch viele Hoffnungen auf der Person von Rettich. Zumindest ist die Aufnahme von Fanvertretern in verschiedene Arbeitsgruppen ein gutes Zeichen. Andererseits hatten wir schon oft Hoffnungen, die dann enttäuscht worden sind, weil der Dialog nur als Alibi gedacht war.


    Es gibt das Vorhaben, als Gegenentwurf zum "Sicheren Stadionerlebnis" ein Papier "Fanfreundliches Stadionerlebnis" zu erarbeiten, welches nach Möglichkeit ein gemeinsames Papier werden soll. ProFans ist dabei aus verschiedenen Gründen noch etwas zurückhaltend und wird sich entscheiden, wenn es konkret wird.

    Konnte nicht eher antworten, war doch weg...




    Nein, 14. 1. ist was anderes.




    12./13. 1. ist, wie ich erst Anf. Jan. erfahren habe, eigentlich ein
    UK-Treffen (Unsere Kurve), das sie aber geöffnet haben, um einheitliche
    Positionen anzustreben. ProFans wird in diesem Rahmen ein (kleines)
    eigenes Treffen veranstalten und der Fanrechtefonds seine
    Spenderversammlung. Ob auch andere noch - weiß ich nicht. Ich werde
    zwar nur am Samstag dabei sein und nicht mehr am Sonntag zur
    "Ergebnisverkündung", werde aber sicherlich einen Bericht bekommen,
    sofern es nicht ein (gemeinsames) Abschlussdokument gibt. Ich berichte,
    sobald ich die Informationen habe.

    Zunächst mal bitte ich um Entschuldigung, dass ich mich vor dem 12. 12. an dieser Stelle nicht (an anderer sehr wohl) an der Diskussion beteiligt habe, ich war sehr eingespannt.


    Nun ist die Frage der Bewertung. Die beiden neuralgischen Punkte sind nicht wirklich beschlossen, sondern mit der Bitte um Umsetzung an den DFB weitergereicht. Insofern kann weiter protestiert werden. :) Aus grundsätzlichen Erwägungen ist der Beschluss zu kritisieren, da gehe ich voll mit dem offz. Standpunkt des Vereins mit.


    Nun ist da am 12./13. 1. so eine Veranstaltung geplant in einem Ort, den es wahrscheinlich gar nicht gibt. Ich hab dafür noch gar keine offizielle Einladung gesehen. Hab ich da was verpasst?


    Allerdings wird am 12. auch die Spenderversammlung des Fanrechtefonds in diesem Rahmen stattfinden. Falls sich niemand anderes meldet, werde ich wieder den Eisernen V.I.R.U.S. vertreten. Allerdings bin ich auch gar nicht böse, wenn jemand anderes Interesse hat. :)

    Gerade hat sich ProFans nach kontroverser Diskussion und trotz des starken Eindrucks, dass die Gesprächspartner (Verbände) es nicht ehrlich meinen, dazu durchgerungen, den Dialog mit DFB/DFL weiterzuführen, kommt die nächste Zumutung:


    http://www.kicker.de/news/fuss…-weniger-fernsehgeld.html


    Dieser Zehnpunkteplan ist der Gipfel der Demagogie.


    Die Vereine
    sollen sich mit ihren Fanclubs auf "Vereinbarungen verständigen".
    Zugleich wird vorgegeben, was in der "Vereinbarung", über die sich
    "verständigt" werden soll, zu stehen hat und es wird auch sogleich die
    Sanktion angedroht für den Fall, dass man sich verweigert. Was,
    bitteschön, ist daran Verständigung? Es ist reine Erpressung.


    Was
    sind die Lippenbekenntnisse zu Stehplätzen wert, wenn dieser
    Zehnpunkteplan bereits eine konkrete Maßnahme zur Einschränkung der
    Stehplatzkapazität enthält?


    Und was soll jegliches verlogene
    Gebrabbel über Fankultur, wenn die Herren nicht einmal zur Kenntnis
    nehmen, dass praktisch kein Stadionbesucher, weder Ultras noch andere,
    und die auf den "besseren Plätzen" schon gar nicht, über mangelnde
    Sicherheit in Stadien klagt, hingegen sehr viele über alle möglichen
    Drangsalierungen, vom Verbot von Supportmaterial oder auch ganz
    alltäglichen Gegenständen angefangen bis hin zum Alkoholgehalt des
    Stadionbieres?!


    Vonnöten wäre nicht ein Qualitätssiegel "Sicheres Stadion", wohl aber ein Standard für ein "Gastfreundliches Stadion".


    Stadionverbote sollen wieder 5 (-6) Jahre gelten, aber nach wie vor auf Verdacht hin, auch gegen Unschuldige. Das "Tollste" an dem Punkt aber ist, dass gerade erst eine "Arbeitsgruppe Stadionverbote" mit Beteiligung von Fanvertretern ins Leben gerufen worden ist, die damit ad absurdum geführt wird.

    Wie schaut der Fußball in der Zukunft aus und welche Rolle spielen die Fans dabei?


    Welche Möglichkeiten der Mitsprache haben Fans in ihrem Verein und ist die 50+1-Regel dafür wichtig


    In der Veranstaltung beschäftigten sich die Referenten mit den Fragen,
    welche Möglichkeiten der Mitsprache Fans in ihren Vereinen haben und ob
    die 50 + 1 Regel dafür wichtig ist. Zu Beginn der Diskussion gewährte
    Jens Wagner vom Supporters Club des Hamburger Sportvereins den Zuhörern
    einen Einblick in die Strukturen und langjährige Arbeit an der Basis des
    Vereins. Darauffolgend erklärte Martin Kind, der Präsident von Hannover
    96, seine Beweggründe für die Aufweichung der „50+1“-Regel. Mit seinen
    Ausführungen stieß er bei Fananwalt René Lau auf Widerstand. Die
    „50+1“-Regel sichert den Einfluss der eigentlichen Vereine mit ihren
    Mitgliedern und Institutionen und verhindert, dass Investoren die
    Kontrolle über die Vereine übernehmen. Lau sprach sich klar für die
    „50+1“-Regel aus und präsentierte die juristische Dimension der Regel.
    Lau rief die Fans auf: „Werdet Mitglied in euren Vereinen und nehmt euer
    Stimmrecht wahr, damit in Deutschland keine englischen Verhältnisse
    möglich werden“. Nur diese Form der Partizipation am Vereinsleben
    sichert auf Dauer den Einfluss der Fans in den Vereinen und verhindert,
    dass Investoren die Kluft zwischen Profi-Fußball und Fanbasis weiter
    vergrößern. Im Anschluss betonte Robert Pohl, Vertreter der
    Fanorganisation „Unsere Kurve“, dass nicht die Sponsoren sondern die
    Fans das wahre Kapital der Vereine seien.



    'Rechtsfreier Raum' Stadion?


    Wie steht es um den Datenschutz? Was können wir Fans tun?


    Der Umgang mit den Daten von Fans durch Vereine und Verbände aber auch
    durch die Polizei und andere Ermittlungsbehörden ist in vielen Punkten
    mehr als bedenklich. Die Fananwältin Angela Furmaniak lieferte einen
    Überblick über die Thematik und verdeutlichte dessen Bedeutung. Die
    Arbeit von drei Initiativen zeigte den Teilnehmern auf, wie sie sich bei
    diesem Thema für ihre Rechte einsetzen können. Eine Initiative
    baden-württembergischer Fangruppen hat sich mit einer Datei sogenannter
    „Szenekundiger Beamter“ über angebliche Problemfans befasst. In der
    sogenannten SKB-Datenbank speichern „Szenekundige Beamte“ unter anderem
    folgendes über Fans: Lichtbild, eventuelle aktuelle oder vergangene
    Stadionverbote, Einträge in die Datei „Gewalttäter Sport“, mutmaßliche
    Gruppenzugehörigkeit, Kfz-Kennzeichen, Arbeitgeber und ein Freifeld für
    personenbezogene Einträge sowie eine „Fan-Vita“. Die erfassten Daten
    sind sowohl was Umfang, Rechtmäßigkeit und Korrektheit angeht
    problematisch. Der Zusammenschluss aller relevanten Ultras-Gruppen aus
    Baden-Württemberg holte die Machenschaften ans Licht und schaffte
    Transparenz, was für eine Löschung vieler nicht korrekter oder
    unrechtmäßiger Daten sorgte. Die Ultras Hannover entwickelten ein
    Formular und stellten dies anderen Fans zur Verfügung, mit dem die
    Löschung von bei Massen-Personalienfeststellungen erhobenen Daten
    erfolgreich erreicht werden kann. Die Initiative „Fananwälte“
    beschäftigt sich nun verstärkt mit der Frage, inwieweit die
    Datenweitergabe zwischen privatrechtlichen Vereinen und
    Ermittlungsbehörden rechtmäßig ist. In diesem Bereich sehen sie viel
    Handlungsbedarf. Nur durch zivilgesellschaftliche Kontrolle sei eine
    ausuferende und halblegale Praxis einzudämmen. Sie empfehlen
    Datenspeicherung und daraus resultierende Maßnahmen wie Ausreiseverbote
    oder Meldeauflagen immer, zur Not verwaltungsrechtlich, zu hinterfragen.
    Der Fananwalt Frank Hatlè ist der Meinung: „Stadionverbote als
    Privatisierung des Gefahrenabwehrrechts sind bedenklich.“ Angela
    Furmaniak resümiert: „Wie weit sind wir, dass es reicht, Fußballfan zu
    sein, um einem breiten Spektrum an Einschränkungen der Grundrechte
    ausgesetzt zu sein.“


    Wir waren im Stadion und haben es überlebt!


    Die sich überschlagenden Medienmeldungen der letzten Wochen suggerierten,
    dass in den Stadien ein immer größer werdendes Gewaltproblem vorhanden
    wäre, wegen dem sogar vor „Lebensgefahr“ zu warnen sei. Tatsächlich –
    und das bestätigen sogar die Zahlen der ZIS – ist es in den Stadion sehr
    sicher. „Zur Versachlichung: Mehr als 17,5 Millionen Menschen haben in
    der Saison 2010/2011 die Spiele der ersten und zweiten Bundesliga
    besucht. Nach Statistiken der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze
    (ZIS) der Polizei wurden dabei 846 Personen verletzt, gegen 5.818
    wurden Strafverfahren eingeleitet. Zur Verdeutlichung: Das entspricht
    einem Anteil von rund 0,005 Prozent beziehungsweise 0,033 Prozent.“ (aus
    dem Artikel: „Wir waren beim Fußball und haben es überlebt“ auf
    Schwatzgelb.de) Viele der in der Statistik aufgeführten Verletzten sind
    auf unverhältnismäßige Polizeieinsätze zurückzuführen. Gerade die
    mangelnde Aufklärung von Polizeigewalt ist hier – auch nach den
    Beobachtungen von Alexander Bosch von Amnesty International – höchst
    problematisch. „Ich hätte mir gewünscht, heute hier auch mit der Polizei
    reden zu können.“ Diese hatte am Donnerstag, nur zwei Tage vor dem
    Kongress, die Teilnahme an dieser Podiumsdiskussion wieder abgesagt.
    „Hier sitzen Fans, die reichen die Hand zum Dialog aber sie greifen ins
    Leere.“ kommentiert Stefan Minden, von der Initiative Fananwälte.
    Entsprechend einvernehmlich war die Diskussion und das eigentlich
    wichtige Thema konnte nicht angemessen dargelegt werden. Dabei hatten
    sich die Diskussionsteilnehmer auf eine kontroverse Diskussion
    eingestellt. Matthias Stein, Sprecher der BAG, geht seit den 1970ern zum
    Fußball und hat sich immer sicher gefühlt. Statt einer interessanten
    Diskussion darüber, ob es in den Stadien wirklich so gefährlich ist oder
    manche Medien die Situation aufbauschen und jeglichen differenzierten
    Blick vermissen lassen, blieb den Referenten Zeit auszuschweifen. „Vor
    20 Jahren wäre eine solche Diskussionsrunde so nicht möglich gewesen.
    Das ist ein Erfolg.“ so Jens Volke, langjähriger Fanaktivist und heute
    Fanbeauftragter von Borussia Dortmund.



    Blick über den Tellerand ins Europäische Ausland


    Am Sonntag folgte der Blick über den Tellerrand auf die Situation in
    anderen Ländern. So berichtete Emilio Abejón von der spanischen
    Fanorganisation FASFE über die Situation der Fans in Spanien bezüglich
    Anstoßzeiten und Stadionverbote. Dieses endete in einer munteren
    Diskussion, in der sich gegenseitig Ratschläge und Tipps gegeben wurden.
    Michael Brunskill von der englischen Fanorganisation FSF erzählte von
    der Entwicklung in England vor allem in Hinblick auf die gestiegenen
    Eintrittspreise. Oftmals kostet dort die billigste Eintrittskarte
    bereits 60 Euro. Kai Tippmann gab Einblicke in das Leben der Ultras in
    Italien und ergänzte: „Ein Fankongress wäre in Italien nicht möglich
    gewesen. Die hätten den Bahnhof abgefackelt und der Kongress wäre
    beendet.“ Mit Spannung erwartet wurde der Bericht von Arne Christian
    Eggen aus Norwegen, der über das dortige Pyrotechnik-Modell sprach. In
    Norwegen haben die Fans das Vertrauen vom Verband und der Polizei
    bekommen und dürfen unter bestimmten Vorgaben in ihren Fanszenen
    Pyrotechnik zünden. Dieses Modell ist sehr erfolgreich und ein Gewinn
    für alle beteiligten Parteien. Auch Antonia Hagemann hatte spannende
    Infos mitgebracht von der Arbeit von Supporters Direct, die Fans – seit
    einiger Zeit auch außerhalb Englands – dabei unterstützen, Einfluss in
    ihren Vereinen zu nehmen oder auch ganz neue Vereine aufzubauen. Bei der
    letzten Veranstaltung diskutierten Manuel Marcos (Liberté por les
    Abonnés), Lorenzo Contucci (MyRoma), Patrick Verstphal aus Kopenhagen
    (Alpha Brøndby), Burak Berkol (1907 ÜNIFEB), Umar Fredericks (Green
    Brigade Glasgow) sowie Pascal Claude (Journalist) unter dem Motto „Eine
    Rundereise durch das Europa der Repression“ und gaben interessante und
    spannende Einblicke in ihren Alltag als Fans.
    Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal explizit bei den internationalen Referenten
    bedanken. „Wir sind alle hier zum Lernen!“ äußerte Holger Hieronymus aufdem Fankongress. Was bietet uns dafür mehr Gelegenheit als die Situation in anderen Ländern.
    Aber nicht nur bei den ausländischen Referenten wollen wir uns bedanken, wie auch schon geschrieben, natürlich gilt unser Dank allen Referenten an diesen beiden Tagen sowie
    auch den Teilnehmern, den Pressevertretern, den Moderatoren und allen
    weiteren, die zu diesem gelungenen Fankongress beigetragen haben.
    Wir hoffen, dass unsere Bereitschaft zu diskutieren, analysieren,
    reflektieren und Lösungen zu erarbeiten, nicht ins Leere läuft und nun
    auch seitens der Verbände auf deren getätigten Worte auch Taten folgen.


    Zum Erhalt der Fankultur!


    ProFans im Januar 2012

    Die Chancen und Grenzen von Selbstregulierung, Freiheit und Verantwortung in den Fankurven


    Der Umgang mit den Fan-Freiheiten: ein ehrlicher Dialog? Das sogenannte St. Pauli-Modell und die Pyro-Kampagne


    Nach
    Begrüßung und Einleitung in die Thematik, berichtete Stephan Schell von
    der Wilden Horde Köln aus der Praxis hinsichtlich der Anmeldung und
    Handhabung, sowie Definition von Fanutensilien. Es kristallisierte sich
    ziemlich schnell heraus, dass die verschiedenen Vorgaben der Vereine
    hinsichtlich der Anmeldung von Fanutensilien in vielen Fällen vollkommen
    unverständlich sind und erwiesenermaßen für mehr Probleme sorgen als
    eigentlich nötig. Dabei stellt sich prinzipiell die Frage, warum eine
    Anmeldung von Fanutensilien überhaupt nötig ist. „Positive Fankultur
    benötigt eine Plattform“ so Stephan Schell. Die positiven und vor allem
    kreativen Impulse, die Fanszenen auf den Fußball haben können, werden
    durch die derzeitige Praxis erheblich erschwert. Die Idealvorstellung
    von ProFans liegt darin, dass sich Fankurven hinsichtlich der Utensilien
    frei in ihrem Fan-Dasein ausleben können. Das sogenannte „Sankt
    Pauli-Modell“ sieht vor, Auswärtsfans grundsätzlich alle Freiheiten
    einzuräumen, diese Freiheiten für zukünftige Begegnung allerdings von
    der Befolgung bestimmter Verhaltensvorgaben abhängig zu machen. ProFans
    sieht
    diese Praxis schlichtweg als eine Form der Erpressung an, mit der
    unerwünschtes Verhalten wie etwa der Einsatz von Pyro verhindert werden
    soll.
    Die Pyro-Kampagne ist ein anschauliches Beispiel, wie
    Selbstregulierung und Eigenverantwortung in den Fankurven funktionieren
    kann. Die Fangruppen haben sich in einem Prozess der Selbstreflexion an
    die selbst auferlegten Regeln gehalten und mit dem Pyro-Verzicht
    bewiesen, welchen Einfluss sie in den Fankurven ausüben können. Die
    Ernsthaftigkeit und Professionalität der Kampagne hat bewiesen, dass die
    Fans verlässliche Gesprächspartner sind. Der DFB hat diese Chance eines
    Dialogs auf Augenhöhe im Sinne des gemeinsamen Interesse nicht genutzt
    und den dialog- und kompromissbereiten Teil der Fans, die Tür vor der
    Nase zu geschlagen. Hinsichtlich der ständig gegenwärtigen Diskussion
    über Selbstregulierung mahnte Stephan Schell: „Wenn es so weiter geht,
    werden die gemäßigten Stimmen in den Fanszenen irgendwann kein Gehör
    mehr finden.“ Im Zuge der Debatte um den Abbruch des „Pyro-Dialogs“
    räumte Gerald von Gorrissen, Leiter der Fananlaufstelle des DFB,
    mögliche Kommunikationsfehler ein und schien auch keinen Ausweg aus
    dieser augenscheinlichen Sackgasse zu finden. „Ich habe derzeit ein
    großes Fragezeichen auf der Stirn.“ Wir bedanken uns trotzdem bei Herrn
    von Gorrissen, dass er spontan auf das Podium kam und sich den
    zahlreichen kritischen Wortbeiträgen des Publikums stellte. Es bleibt zu
    hoffen, dass der Dialog wieder aufgenommen wird. Das Thema Pyrotechnik
    kann für uns nicht einfach ad acta gelegt werden. Die Fans sind weiter
    gesprächsbereit, wie ein Sprecher der Kampagne „Pyrotechnik Legalisieren
    – Emotionen Respektieren“ deutlich betonte. Gleiches erwarten wir von
    den verantwortlichen Verbandsvertretern. Eine gemeinsame Lösung sollte
    im Sinne aller Beteiligten sein. Ein bloßer Abbruch der Gespräche,
    verschiebt die Problematik nur oder verschlimmert sie sogar.
    Festgestellt wurde von der Kampagne noch einmal öffentlich, dass ein
    legales Abbrennen von Pyrotechnik in Fußballstadien rechtlich möglich
    ist und auf lokaler Ebene an etlichen Standorten umsetzbar wäre. Einzig
    die ablehnende Haltung des DFB steht diesem im Weg.


    Funktioniert die Verregelung und Selbstregulierung von Fangewalt? Wenn ja, wie?


    Auf
    dem Fankongress haben sich relevante Vertreter unterschiedlichster zum
    Teil stark rivalisierender Gruppen zusammen gesetzt. Die Diskussion
    wurde von dem Politologen und Fanforscher Jonas Gabler moderiert. Dass
    ein Gespräch zu diesem Thema in einer solchen Konstellation zustande
    gekommen ist, sehen wir als Erfolg. So etwas hat es bisher noch nicht
    gegeben. Wir sind uns sicher, dass der Inhalt dieses Gesprächs in die
    einzelnen Gruppen getragen und die Diskussion dort fortgesetzt wird.





    Identifikation der Fans mit dem Verein in Zeiten des „modernen Fußballs“




    Das Engagement von Fans für den Erhalt der Vereinsidentität




    Im
    ersten Teil der Themenreihe hörte man gespannt den Vorträgen der
    Fanszenen Stuttgart, Union Berlin und Nürnberg zu, wie sich diese
    Vereine um den Erhalt der Werte und Traditionen ihres Vereins einsetzen
    und auf welche Schwierigkeiten sie dabei trafen und auch immer noch
    treffen. Im Anschluss an die Vorträge kamen aus dem gut gefüllten
    Auditorium Fragen an die Vortragenden. So berichtete Oliver Schaal
    (Commando Cannstatt 97) davon, dass sein Verein der VfB Stuttgart auf
    Initiative von Commando Cannstatt eine Möglichkeit gefunden hat, trotz
    der Forderung nach Sitzplätzen im ganzen Stadion für internationale
    Spiele, in der Cannstatter Kurve Stehplätze zu erhalten. Dazu wurde ein
    spezieller Sitz geschaffen, der beides ermöglicht.


    Holger Keye
    (Wuhlesyndikat) erklärte das Selbstverständnis der Union-Fans in Bezug
    auf ihre Kultur dahingehend, dass man nach dem Motto handele, dass man
    gemeinsam alles schaffen kann, wenn man es nur wolle. Als prominentes
    Beispiel hat er hierzu den Umbau des Stadion „An der Alten Försterei“
    genauer erläutert, welches als das Heiligtum des Vereins gilt. Aus
    Nürnberg berichteten Julius und Flo (Ultras Nürnberg) über den aktuellen
    Stand ihrer Kampagne zur Umbenennung des Stadions nach Max Morlock.
    Hierbei ist hervorzuheben, dass es aus ihrer Sicht zielführend sein
    kann, dass ähnlich geartete Kampagnen zum Erhalt von Werten und
    Traditionen in ihrer Außendarstellung nicht allein auf die
    Ultras-Gruppen referieren. So entgeht man der Gefahr, dass Aktionen der
    Gruppe auf die Kampagne selbst bezogen werden, sie wirken so autonomer.
    Die genannten Beispiele sind nur einige von vielen, die belegen wie
    wichtig für die Identifikation der Fans mit ihren Vereinen eine
    Vereinsidentität ist, die die Fans mitgestalten und erhalten.




    Identifizieren sich junge Fans zunehmend über die Fankurve? Wie verändert sich das Fansein?




    In
    der zweiten Veranstaltung zu diesem Thema hatte man zu einer
    Podiumsdiskussion einige Vertreter verschiedener Vereine und mit
    unterschiedlichem Fan-Hintergrund eingeladen. Diese diskutierten
    angeregt über die Frage, ob sich Fans heutzutage mehr mit der Kurve als
    mit dem Verein identifizieren, auch in Hinblick auf frühere Zeiten. Es
    herrschte hier schnell Einigkeit, dass es im Laufe der Jahre keine
    grundlegenden Veränderungen gegeben habe, da der sportliche Erfolg nur
    bedingt im Vordergrund bei der Wahl des Vereins steht.


    Im Verlauf der
    Diskussion, an der auch das Auditorium rege teilnahm, zeigte sich die
    Vielfältigkeit der Fankulturen in Deutschland und auch die
    Vielschichtigkeit des Themas selbst. Jeder Verein hat spezifische
    identifikationsstiftende Merkmale, die es zu erhalten und an die jüngere
    Generation weiterzugeben gilt. Es wurde von mehreren Teilnehmern darauf
    hingewiesen, ja fast gefordert, dass die Fans sich in ihren Vereinen
    entsprechend engagieren sollen, um die eigenen Werte und Traditionen zu
    erhalten. Des Weiteren waren sich alle einig, dass auch eine
    überregionale Zusammenarbeit der Fanszenen wichtig ist, da man sich nur
    gemeinsam für den Erhalt der Fankultur stark machen könne. Volker Goll
    (Offenbach) fasste das Thema treffend zusammen: „Fans schaffen die
    Identifikation des Vereins, sie müssen hier nur noch selbstbewusster
    sein und entsprechend auftreten im Umgang mit dem Verein, da diese den
    Fans eigentlich dankbar sein müssten, dass wir in Deutschland noch eine
    kreative und engagierte Kultur haben.“

    schwatzgelb.de
    Postfach 41 01 41
    44271 Dortmund
    E-Mail: redaktion@schwatzgelb.de


    Herrn
    Dietmar Hopp
    c/o TSG 1899 Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH
    Horrenberger Straße 58
    74939 Zuzenhausen


    Dortmund, den 18. August 2011


    Sehr geehrter Herr Hopp,


    angesichts der aktuellen Entwicklungen möchten wir als schwatzgelb.de uns direkt
    an Sie wenden.


    Immer und immer wieder ist zu lesen, dass Sie von beleidigenden und zweifelsfrei
    niveaulosen Sprechchören, Gesängen und Transparenten gegen Ihre Person tief
    getroffen werden. Sie betonen immer und immer wieder, wie weh Ihnen das tut.
    Dass Sie diese Schmährufe derart persönlich nehmen, ist schade und vor allem
    völlig unangebracht.


    Mit dem Schritt in den großen Profi-Fußball haben Sie und auch die TSG Hoffenheim
    sich auf ein völlig neues Terrain gewagt. Doch während man bundesligataugliche
    Spieler mit Geld kaufen und eine bundesligataugliche Infrastruktur mit Geld bauen
    kann, kann man ein Umfeld, das mit der Mentalität, die in den höheren Spielklassen
    herrscht, umzugehen weiß, nicht kaufen. Um auf den Rängen mithalten zu können,
    braucht es Erfahrung, viel Erfahrung. Und ein dickes Fell. Denn Beleidigungen
    gehören auf den Rängen eines Fußballstadions so zum Alltag wie Fouls auf dem
    Rasen.


    Verbale Fouls und solche in Form von Tritten in die Wade gehen doch im Fußball
    Hand in Hand. Nimmt es denn Spieler A persönlich, wenn Spieler B ihm gerade mit
    einem Foul eine Torchance geraubt hat? Nein! In jedem Foul steckt doch quasi die
    Metabotschaft: „Sorry, ist nicht persönlich, aber ich muss dir jetzt die Beine
    wegtreten, weil ich nicht verantworten kann, dass du ein Tor gegen meine
    Mannschaft schießt.“ Das ist doch Konsens. Das wissen alle Spieler.


    Auf den Rängen ist es identisch. Glauben Sie etwa, auch nur ein BVB-Fan fühlt sich
    persönlich beleidigt, wenn er in Gladbach, Köln, Frankfurt… und sogar in Hoffenheim
    das Lied von den „BVB-Hurensöhnen“ hören muss? Wo kämen wir denn da hin? Das
    perlt ab, weil doch jeder weiß, wie es gemeint ist. Hat Ihnen das wirklich niemand
    gesagt? War Ihnen das mit all Ihrer Erfahrung und der Weisheit des Alters wirklich
    nicht bewusst?


    Eines ist aber auch klar: Es gibt natürlich einen Unterschied zwischen der
    Diffamierung einer ganzen Gruppe und einer einzelnen Person. In Ihrem Falle ist es
    doch aber so, dass Fans aller Vereine, außer vermutlich Leverkusen, Wolfsburg und
    RB Leipzig, das Projekt Hoffenheim konsequent ablehnen. Diese Ablehnung betrifft
    aber in ähnlichem oder gleichem Maße Bayer Leverkusen, den VfL Wolfsburg und
    ganz besonders RB Leipzig. Es gibt zwischen den drei genannten Klubs und der
    TSG Hoffenheim allerdings einen feinen, aber wichtigen Unterschied: Sie.


    Sie, Herr Hopp, sind das Gesicht der TSG Hoffenheim. Sie sind das Gesicht des
    Projekts Hoffenheim. Sie sind das Gesicht einer Entwicklung, die wir Fans ablehnen.
    Darum fokussieren sich Schmähgesänge auf Sie als Person. Weil bei keinem der
    anderen genannten Vereine ein einzelner Mensch so sinnbildlich für diese – wie wir
    finden – gefährliche Entwicklung für den Fußball steht. Wir wollen keine Klubs aus
    der Retorte. Und wir wollen keine Mäzene, die einen Klub hätscheln und großziehen
    und ihm von jetzt auf gleich Dinge ermöglichen (Jugendleistungszentren zum
    Beispiel), die sich andere Vereine sauer verdienen müssen.


    Sollte die Schall-Attacke in Hoffenheim wirklich das Werk zweier übereifriger Männer
    gewesen sein, macht das die Sache im Übrigen auch nicht besser. Vielmehr spräche
    diese Aktion Bände darüber, welches Klima bei der TSG herrscht, dass sich
    Mitarbeiter im vorauseilenden Gehorsam zu Ihren Vollstreckern machen und zur
    Selbstjustiz greifen und dabei nicht nur möglicherweise gegen DFL-Statuten
    verstoßen, sondern in die körperliche Unversehrtheit von Fans eingreifen. Ist man
    Ihnen bei der TSG dermaßen hörig? Ist das das Klima, das Sie haben wollen?


    Wenn Mäzene und Konzerne sich nach Belieben in Vereine „einkaufen“ und die
    Bundesliga erobern können, dann muss das all den Fans sauer aufstoßen, die seit
    Jahren und Jahrzehnten mit ihren Vereinen fiebern, Abstiege betrauern mussten und
    Meisterschaften bejubeln durften. Die den ganzen Fußball mit seiner Emotionalität
    und Unkalkulierbarkeit so sehr lieben.


    Man muss kein ewiggestriger Nostalgiker sein, wenn man fordert, dass im Fußball
    bitte jeder Verein nur mit den Mitteln arbeitet, die er sich erarbeitet. Als BVB-Fans
    wissen wir, wovon wir reden, denn wir sind beinahe Opfer der Hybris eines
    Präsidenten geworden. Blind sind wir ihm gefolgt und wären beinahe in unser
    Verderben gerannt. Viele sagen, der BVB habe damals Glück gehabt. Das stimmt.
    Aber dass der BVB damals von Sponsoren und Gläubigern gerettet wurde, hat er
    sich in gewisser Weise auch erarbeitet. Nämlich durch Tradition und die daraus
    erwachsene Verwurzelung nicht nur in Dortmund, sondern in den Köpfen und Herzen
    des ganzen Landes.


    Wer würde der TSG Hoffenheim in ähnlicher Situation helfen, wenn Sie einmal nicht
    mehr da sind?


    Viele Fans würden sicherlich gerne einmal sachlich über Ihre Rolle im Fußball
    diskutieren und darüber, warum Modelle wie Hoffenheim oder Leipzig auf so viel
    Abneigung stoßen. Allein: Wären Sie dazu bereit? Haben Sie jemals in Erwägung
    gezogen, sich einer größeren Fanrunde zu stellen und zu diskutieren? Hat es jemals
    eine Reaktion auf humorige und kreative Plakate gegen das Projekt Hoffenheim
    gegeben? Nein. Keine Beleidigung, keine Reaktion. Auf „Sohn einer Hure“ kommt
    sofort eine Reaktion, was offenbar viele zu der Ansicht bringt, dass Sie und die TSG
    nur auf Schläge mit der großen Keule reagieren, während Sie aber gleichzeitig nicht
    in der Lage sind, die Ängste der Fans anderer Klubs ernst zu nehmen.


    Herr Hopp, wir laden Sie hiermit herzlich nach Dortmund ein, um mit Fans von
    Borussia Dortmund, vielleicht im Rahmen einer Podiumsdiskussion, über das Projekt
    Hoffenheim und Ihre Rolle im Fußball zu diskutieren. Wir würden uns freuen, wenn
    Sie unserer Einladung Folge leisten würden.


    In Erwartung Ihrer Antwort verbleiben wir.
    Hochachtungsvoll,
    Ihre schwatzgelb.de-Redaktion