Posts by sig

    Mein Standpunkt dazu ist: Ich habe grundsätzlich gar nichts dagegen, wenn die DFL-Versammlung ein Brainstorming veranlasste, wie die 50+1-Regel wasserdichter gemacht werden könne, zumal es gerade die Ausnahmefälle sind, die die Regel angreifbar machen. Nur scheint es aktuell leider ganz anders zu sein, denn es gibt nur einen Anlass zu dem Tagesordnungspunkt, und das ist der Unwille von Herrn Kind, sich mit der Tatsache des Scheiterns seines Antrages zu arrangieren.


    Genau daraus erwächst das Misstrauen der Fanszenen hinsichtlich der Richtung, die die Diskussion am 22. März nehmen könnte. Die von uns mitgezeichnete Erklärung mag für das WS und andere zu eng gefasst sein, letztlich aber ist es eine deutliche Demonstration des Willens großer Teile der Fanszenen, die Machtverhältnisse im Profifußball nicht noch weiter zu Gunsten von Investoren und zu Lasten der Vereine und ihrer Mitglieder zu ändern. Und ich denke, eine solche deutliche, von sehr Vielen getragene Forderung ist sehr hilfreich, denjenigen Vereinsvertretern und Leuten in der Liga den Rücken zu stärken, die dafür einstehen.


    Gäbe es in diesem Sinne etwas Besseres als 50+1, wäre ich sofort dabei. Nur leider hat es noch niemand geschafft, einen mindestens ebenso guten alternativen Vorschlag auf den Tisch zu legen.

    (Pressemitteilung von ProFans, 10. 11. 2017)


    Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR):
    Menschenrechte von Fußballfans in Deutschland verletzt


    Zwei Fußballfans hatten im Jahr 2007 nach einem Einsatz der Münchner Polizei Anzeige gegen unbekannte Einsatzkräfte erstattet, die sie mit Schlagstöcken und Pfefferspray angegriffen hatten. Obwohl festgestellt wurde, dass die Vorwürfe zutrafen, wurde das Ermittlungsverfahren schließlich eingestellt, weil die betreffenden Personen nicht identifiziert werden konnten. Die beiden Fußballfans wandten sich daraufhin an den EGMR, weil die Münchner Polizei nur unzureichend gegen ihre eigenen Kolleginnen und Kollegen ermittelt hatte. Das Verfahren wurde unter anderem vom Fanrechtefonds finanziell unterstützt.


    Nunmehr stellte der Gerichtshof fest, dass die Rechte der Klagenden verletzt wurden. Die Gründe gehen jedoch weit über den Einzelfall hinaus. Konkret bemängelt die Jury, dass die maskierten Täterinnen oder Täter unter den Polizeieinsatzkräften nicht identifizierbar waren, weil eine individuelle Kennzeichnung fehlte. Dies führe faktisch zu einer Straflosigkeit bei Rechtsverletzungen durch die Polizei. Bei den Ermittlungen war versäumt worden, die eingesetzten Kräfte zu vernehmen; Videomaterial war abhanden gekommen – für den Gerichtshof Beleg für die fehlende Unabhängigkeit der Ermittlungen, denn für das Material war diejenige Einheit verantwortlich, gegen die sich die Vorwürfe richteten.


    „Auch heute, zehn Jahre nach jenem Einsatz, bestehen genau diese Mängel bei der deutschen Polizei weitgehend weiter“, kritisiert ProFans-Sprecherin Gloria Holborn und schlussfolgert: „Der Staat ist nun gefordert, die Unabhängigkeit und Effizienz bei Ermittlungen gegen Polizeibedienstete sicherzustellen sowie die Identifizierbarkeit zu gewährleisten.“ Pressesprecher Sig Zelt ergänzt: „Bürgerrechts- wie auch Fanorganisationen fordern dies schon seit Langem. Es ist zu hoffen, dass die Bundesrepublik Deutschland und die Länder nun endlich die überfälligen Konsequenzen ziehen, um die Menschenrechte hierzulande zu wahren. Polizeieinsätze dürfen keine rechtsfreien Räume sein!“


    Den beiden betroffenen Fans wurde neben der Erstattung ihrer Auslagen ein Schmerzensgeld zugesprochen.

    Die Schmach von Prag und der Umgang damit
    Ein Kommentar von ProFans Union Berlin


    Berlin, den 08. September 2017


    Einige Dutzend deutscher Zuschauer haben vor einer Woche während des
    Spiels der Fußball-Nationalmannschaft in Prag für einen Eklat gesorgt.
    Wie berichtet wurde, waren nazistische und rassistische Parolen zu
    hören, die Nationalhymnen und eine Schweigeminute wurden gestört.


    Das hat nicht das Mindeste mit der Fankultur gemein, die wir und ProFans vertreten.
    Wir distanzieren uns nachdrücklich von den Unflätigkeiten und
    allen menschenverachtenden Äußerungen. Sport ist ein Medium, das alle
    Menschen verbindet. Lebensfreude und Integration sind Leitmotive des
    Sports, nicht rassistischer Hass.


    Gut, dass sich Woche für Woche ein anderes Bild in den deutschen
    Fußballstadien zeigt. Gewachsene Fankulturen haben dafür gesorgt, dass
    die vor Jahren noch alltägliche Diskriminierung beim Fußball deutlich
    geschwunden ist. Gerade auch die Ultrà-Gruppen haben daran ihren Anteil.


    Für die Nationalmannschaft hingegen glaubt der DFB die Fankultur per
    Administration von oben bestimmen zu können. Wo in den Fanszenen der
    Vereine glühende Fußballanhängerinnen und -anhänger Verantwortung und
    Engagement zeigen, schreibt man sich für die Nationalmannschaft
    gezwungenermaßen, um Eintrifttskarten zu bekommen, in ein gemeinsam mit
    einem Getränkekonzern geschaffenes Programm des Verbandes ein, genannt:
    "Fan Club Nationalmannschaft powered by Coca-Cola". Die Degradierung zum
    Kunden erstickt jedes Verantwortungsgefühl. Der eigene Beitrag besteht
    nurmehr in der Geldzahlung, nicht etwa in aktiver Mitwirkung. So muss
    man auch sehen, dass das überdimensionale Transparent am Montag im
    Stuttgarter Neckarstadion, wenngleich es die Intention von Zuschauern
    getroffen haben mag, keineswegs eine Äußerung von Fans war, sondern
    vielmehr ein Statement des DFB.


    Umso verstörender wirken die Äußerungen einiger Verbandsfunktionäre.
    Reinhard Grindel versteigt sich darein, den tschechischen Gastgebern
    eine Teilschuld zu geben, weil sie Karten frei verkauft haben. Die
    Ursache rechtsradikaler Ausfälle im freien Kartenverkauf zu suchen, ist
    eine geradezu absurde Ablenkung von der eigenen Verantwortung. Der DFB
    täte besser daran, eine lebendige Fankultur zu fördern. Dann würden sich
    wohl auch im Umkreis der Nationalelf genügend Fans gegen derartige
    Tendenzen engagieren, so dass solche Vorkommnisse schließlich nicht mehr
    geschehen.


    Dr. Rainer Koch ist sich nicht zu schade, Ultras mit bengalischen
    Lichtern in geistige Nähe nazistischer Grölereien zu setzen. Das in
    einen Topf zu werfen, ist entweder demagogisch, oder Herr Dr. Koch hat
    von den Verhältnissen in den Fanszenen schlichtweg keine Ahnung. Man
    muss sich dabei fragen, wie weit es wirklich mit dem von Herrn Grindel
    reklamierten Umdenken ist, wenn doch gleich wieder nach Instrumenten der
    Kontrolle und Repression gerufen wird, anstatt sich darüber Gedanken zu
    machen, wie man die Köpfe erreicht.


    Schon im Vorfeld hatte Oliver Bierhoff verbandskritische Fans wie auch
    kritische Medien und ebenso staatliche Organe wie etwa die Hessische
    Staatsanwaltschaft oder Finanzbehörden zu Angreifern auf die deutsche
    Nationalmannschaft erklärt. "Im Grunde genommen basteln sie sich in der
    Otto-Fleck-Schneise nach wie vor ihre eigene Welt zurecht, aus der sie
    alles aussperren wollen, was da nicht hinein passt", ist der Tenor unter den Union-
    Fans, die sich bei ProFans engagieren. Weiter hört man dort
    die Meinung: "Es wird dringend Zeit, dass die Herren zurückfinden in die
    Realität der Gesellschaft, sonst wird diese komplett an ihnen vorbeilaufen."

    Hier die PM von ProFans von gestern.


    Pressemitteilung




    ProFans bezieht Stellung zum „Dialog-Angebot“ von DFB-Präsident Reinhard
    Grindel




    Berlin, den 16.08.2017




    Erstaunt haben die ProFans angeschlossen Gruppen die heute vom DFB
    veröffentlichte Erklärung seines Präsidenten Herrn Grindel zur Kenntnis genommen.
    ProFans stimmt der Aussage zu, wie wichtig die Fankultur mit all ihren sozialen
    Werten für den Fußball ist, und dass diese Erkenntnis einen Grund zum Umdenken
    gibt.




    Die Abkehr von Kollektivstrafen sowie von Bestrafungen auf Grundlage von
    Vermutungen ist längst überfällig. Auch die Wahrnehmung demokratischer Rechte in
    den Vereinen durch die Fanbasis zählt zur Kultur des Umgangs und zu den sozialen
    Werten des Fußballs. Wir haben noch nie verstanden, warum die Vorstellungen von
    einem emotionalen und sicheren Stadionerlebnis weit auseinanderliegen sollten. Nun
    endlich scheint die DFB-Spitze zu erkennen, dass der von ProFans Anfang 2016 auf
    den Tisch gelegte Vorschlag für einen Neuanfang eines Dialogs, der von
    Augenhöhe, Ernsthaftigkeit und Konstruktivität geprägt ist, dringend aufgegriffen
    gehört.




    Der Einladung zur Arbeitsgruppe Fankulturen ist ProFans seither bekanntlich aus
    guten Gründen nicht gefolgt:




    - In zehn Jahren des Fandialogs seit 2007 wurden nahezu keine Fortschritte im
    Sinne der Fankultur erreicht. Hinweise von ProFans-Vertretern über wachsende
    Unzufriedenheit und Zuspitzungen der Lage wurden nicht gehört.




    - Hingegen haben die Verbände die Aushöhlung der 50+1-Regel hofiert, das Dikat
    des Kommerzes vorangetrieben und die Freiräume für Fans immer weiter
    beschränkt. Wichtige Entscheidungen wie die über die Einstellung der Gespräche
    zum sicheren Pyrotechnik-Einsatz, das Sicherheitspapier 2012 oder mehrere
    Verschärfungen der Stadionverbotsrichtlinie wurden vom DFB ohne Beteiligung des
    Fandialogs getroffen.




    - Die in all den Jahren einzige konstruktive Einigung, nämlich über die Freigabe von
    Fanuntensilien, hatte der Vorsitzende der zuständigen DFB-Kommission, Große
    Lefert durch eine öffentliche Erklärung entwertet; danach wurde diese Initiative bis
    heute praktisch nicht umgesetzt.




    - Die angebliche Wertschätzung aktiver Fans und Ultras wurde allzu oft durch
    gegenteilige Aussagen wie "Totengräber des Fußballs" ad absurdum geführt.




    - Auch die 2016 installierte Arbeitsgruppe Fankulturen hat bis heute lediglich
    freundliche Fotos und unverbindliche Erklärungen produziert.




    All das hat gezeigt, dass der DFB strukturell zu einem verlässlichen Dialog bislang
    nicht in der Lage war; auch nicht nach Übernahme der Federführung der DFL für die
    Arbeitsgruppe Fankulturen. Das Bündnis Aktiver Fußballfans hatte sich übrigens
    schon weit eher als ProFans von den ergebnislosen Gesprächsrunden
    verabschiedet.




    Wenn jetzt ein Umdenken eingesetzt hat, begrüßt ProFans ausdrücklich einen
    Neuanfang eines Fandialogs, dessen Konstruktivität sich auch in dessen Struktur
    zeigt. Dazu gehören für uns die direkte Beteiligung kompetenter
    Entscheidungsträger, eine Einbeziehung der Vereine und größtmögliche
    Rücksichtnahme auf die ehrenamtlichen Fanvertreter, die ihre ohnehin durch
    Wochentagsspiele dezimierten Urlaubstage daransetzen.




    Es bedarf dazu einer neuen, höherrangig angebundenen Dialogstruktur, die die
    Vereine direkt mit einbezieht. Diese sollte jetzt unverzüglich gemeinsam entwickelt
    werden. ProFans bietet dafür die Mitarbeit an.

    Oh, ich hatte vorübersehen, dass das hier als öffentliches Thema läuft. Dann doch lieber nicht ganz so konkrete Angaben, sondern nur, dass ich am 8. 6. leider nicht dabei sein kann und viel Spaß wünsche, damit so etwas auch bald mal wiederholt wird. :)

    Die Europäische Fanorganisation Football Supporters Europe (VIRUS ist dort bekanntlich eine der Mitgliedsorganisationen) führt gerade eine Umfrage durch, zum Themenkomplex Reisebeschränkungen, Kollektivstrafen Stadionverbote etc.. Es wäre schön, wenn die eine oder der andere sich beteiligen würde. Hier ist der Link: Zur Umfrage.


    Die Umfrage ist bis Ende September 2016 offen.

    Am Freitag, 20. 5., findet ab 19 Uhr in Berlin eine Veranstaltung zum Start des Crowdfunding für eine alternative ("soziale") Weltmeisterschaft 2018 aus Amateurmannschaften vieler Länder in Deutschland statt. Ich bin gebeten worden, das mitzuteilen, und dem komme ich gern nach. Die Initiatoren haben unlängst ihr Konzept vorgestellt, das natürlich einer gewissen Anschubfinanzierung bedarf.
    Zumindest unter den ProFans-Leuten ist das gut angekommen. Wer Zeit hat und neugierig ist, mag vielleicht am Freitag mal vorbeischauen.


    BAIZ
    Kultur- und Schankwirtschaft
    Schönhauser Allee 26A
    10435 Berlin


    Hier der Link zur Veranstaltung:
    https://www.facebook.com/events/943703572413163/


    Frederico vom Orga-Team schrieb mir noch:

    Quote

    Ca.
    von 19:30 bis 21:00 kommen wohl auch ein paar Bandmitglieder der Band
    "In Extremo", falls da jmd. Fan von ist und deswegen kommen möchte :)

    Weitere Informationen werden sehr bald folgen.

    Nachdem sich schon der Fanbeauftragte und auch der Polizeieinsatzleiter aus Fürth für das von uns erhaltene Lob bedankt haben, ging gestern Abend der folgende Brief ein, den ich unkommentiert hier reinstellen möchte:





    Geantwortet habe ich auch, und zwar: