Posts by sig

    Mal wieder eine FSE-Umfrage. Sie wollen damit Argumentationsstoff gegenüber der UEFA bekommen. Die Umfrage ist in Englisch, lässt sich aber schnell abarbeiten. ;)


    Zielgruppe bei Union sind alle, die wenigstens ein Heimspiel der Europa-League im Stehplatzbereich besucht haben.


    https://www.surveymonkey.co.uk/r/ZVL89MJ


    Wäre schön, wenn sich einige beteiligten. Bis jetzt ist ja noch nicht einmal klar, ob die Regelung nach dem kommenden Sommer verlängert wird.

    Stefan Osterhaus hat ein gut zwanzigminütiges Feature über Union in der Bundesliga gemacht, das bis Anfang August 2023 hier angehört und heruntergeladen werden kann. Wir wollen mal den Mantel des Schweigens darüberlegen, dass der WDR den V.I.R.U.S. als Ultragruppe sieht und olle Sig als deren Sprecher. Originalstimmen sind von Christian Arbeit, Christoph Biermann und meiner Wenigkeit.

    Das Magazin "11 Freunde" bittet um kurzfristige Teilnahme an einer Umfrage. Vielleicht mag die eine oder der andere mitmachen.


    "...wir von 11FREUNDE wollen wissen, wie es im Jahr 2022 eigentlich Auswärtsfans in Deutschland ergeht. Nicht erst das Cham­pions-League-Finale hat gezeigt, dass es im Umgang mit Fuß­ball­fans häufig hapert. Auch hier­zu­lande gibt es Nach­hol­be­darf. Aber wo wird mit Gäs­te­fans am schlech­testen umge­gangen? Wo ist man am net­testen? Das wollen wir herausfinden.


    Dazu haben wir eine Umfrage konzipiert, an der wir uns eine möglichst große Teilnahme erhoffen, damit ein breites Stimmungsbild entsteht. ... Hier der Link: https://11freunde.de/artikel/auswaerts-zuhause/6529240"

    In den letzten Tagen und Wochen zeigte sich FSE - Football Supporters Europe - (der VIRUS ist Mitglied) sehr aktiv bei der Unterstützung verschiedener Aktionen und Organisationen. Dies möchte ich hier in einigen kurzen Hinweisen zum Weiterlesen zusammenfassen.


    1. Solidarität mit der Ukraine - VOSTOK SOS


    Wer vielleicht noch am Überlegen ist, eine (oder eine weitere) Geldspende zu geben, die der vom Krieg betroffenen ukrainischen Bevölkerung zugute kommen soll, und dabei uneins mit sich ist, welche Organisation dafür birgt, dass die Spende auch wirklich dort wirksam wird, wo sie am allerdringendsten benötigt wird, dem empfiehlt FSE die Organisation VOSTOK SOS. Die international aufgestellte NGO hat ihre Basis in der Ukraine und bringt Güter für humanitäre und medizinische Hilfe direkt durchs Land zu den betroffenen Menschen. Über ihre Arbeit ist (allerdings in Englisch) auf den FSE-Webseiten ein Interview nachzulesen. Spenden können über die deutsche Partnerorganisation Libereco geleistet werden (steuerlich absetzbar).



    2. Reclaim your face


    Die European Citizen Initiative hat eine offizielle Petition nach EU-Recht gestartet, mit dem Ziel, eine Massenüberwachung auf Basis von Gesichtserkennung durch umfassende Verbote (die sowohl für staatliche wie auch private Stellen gelten sollen) zu verhindern. Gar keine Frage, dass Stadiongänger potentiell ganz besonders davon betroffen wären. Es geht dabei ausdrücklich nicht darum, etwa zu verhindern, dass nach schwerwiegenden Straftaten Videomaterial gesichtet wird, um etwaige bekannte Personen zu erkennen. Vielmehr geht es darum, zu verhindern dass massenhaft und anlasslos Aufnahmen mit entsprechender Software ausgewertet werden, wodurch man im Extremfall über jede Person im Stadion umfassende Informationen gewinnen und sammeln könnte: Wo hat sie gestanden, mit wem hat sie sich getroffen, wie viel Bier hat sie getrunken und wann war sie auf dem Klo? Leider ist das nicht mehr allzu utopisch. Hier geht es zur Petition "Reclaim your face".


    3. Win It On The Pitch (Sport soll Sport bleiben)


    Eine weitere Initiative resp. Petition auf gleicher Grundlage möchte erreichen, dass sich die EU-Kommission mit der Problematik befasst, dass im Spitzenfußball mit dem Überhandnehmen kommerzieller Ziele die sozialen Werte des Fußballs mehr und mehr ins Hintertreffen geraten. Sie (die Kommission) möge Empfehlungen für Regeln und Richtlinien für die Mitgliedsstaaten erlassen, die die traditionellen Werte des Fußballsports in Europa schützt. Mehr dazu kann man auf der Website Win It On The Pitch nachlesen (auch auf Deutsch), und direkt auf der Website der EU (rechts oben Sprache wählen) kann man die Initiative mit der eigenen Stimme unterstützen.



    4. Sachbuch über die Polizei


    Dieser Hinweis kam nicht von FSE, sondern ganz persönlich von Tobias Singelnstein. Der Professor für Kriminologie aus Bochum ist ja bereits seit einiger Zeit eine relativ bekannte Marke und für seine kritische Bewertung bestimmter polizeilicher Strukturen bekannt. Zusammen mit Benjamin Derin hat er sein neues Buch "Die Polizei – Helfer, Gegner, Staatsgewalt" herausgebracht. Es kostet 25 Euro, ist aber sicherlich auch bald in öffentlichen Bibliotheken ausleihbar. Hier kann man einen Blick ins Inhaltsverzeichnis (mit Leseprobe) werfen.

    Am Dienstagabend legte der Wirtschaftsrat ein weiteres Stadiongespräch auf, zum Thema Kommerzialisierung des Fußballs. Ich will hier nicht detailliert auf die Teilnehmer und Inhalte eingehen, die Veranstaltung war nicht öffentlich. So viel kann ich aber sicherlich sagen: Die Meinungen, die der Kommerzialisierung Wort reden, waren durchaus stark vertreten. Ich bin hinterher von mehreren angesprochen worden, warum ich mich in der Fragerunde nicht zu Wort gemeldet habe, um eine deutliche Position entgegenzusetzen. Tatsächlich hätte mich das durchaus gejuckt, aber auf die Vielzahl der angesprochenen Aspekte fiel mir nicht DIE prägnante, kurze, zündende Widerrede ein. Ich hätte zu allem etwas sagen können, aber das hätte den Rahmen eines kurzen Diskussionsbeitrages gesprengt. Letztendlich war es ja ein Podiumsgespräch. Dennoch kann ich wenigstens im Nachgang hier ein Statement abgeben. Das darf gern anderswo genutzt werden, dann bitte mit Namensnennung.


    Eine, wenn nicht gar DIE Kernfrage war: "Darf" man mit (Profi-)Fußball Geld verdienen? Dazu gibt es keine Meinungsverschiedenheit. Ja klar, selbstverständlich. Nicht nur der Spieler, sondern auch die Brezelverkäuferin im Stadion verdient durch den Fußball Geld. Allerdings wird die Brezelverkäuferin sich nicht anmaßen, wegen des Kapitals, das sie eingesetzt hat, um ihren Vorrat von hundert Brezeln zu beschaffen, über die Geschicke des Vereins mitzubestimmen. Und da sind wir bei denen, die mit der Frage eigentlich gemeint waren, nämlich bei den Investoren im Fußball.


    Eine der abschreckendsten Perversionen besteht darin, dass bestimmte Investoren den sportlichen Erfolg regelrecht einkaufen. Dabei ist es nicht einmal so, dass die Höhe ihres Investments den sportlichen Erfolg bestimmt, sondern genau umgekehrt: Das sportliche Ziel bestimmt die Höhe des Investments. Da kommt etwa ein Brausefabrikant und fragt, wie viel es kostet, in zehn Jahren einen Platz in der Champions League zu haben. Den Preis, der ihm von einem kundigen Berater genannt wird, bezahlt er, und mit ziemlicher Sicherheit erhält er das nachgefragte Produkt. Mit sportlichem Wettbewerb hat das wenig zu tun. Für alle anderen, die mithalten wollen, bedeutet es, dass sie für den gleichen Tabellenplatz wie vorher von nun an mehr Geld aufwenden müssen. Mehr Geld für nicht mehr Erfolg. Was, bitteschön, sollten wir daran gut finden? Denn diese Überlegung führt unweigerlich zur zweiten Frage:


    Wer bezahlt den Fußball eigentlich? Der Investor ist es nämlich keineswegs, der bezahlt; zumindest dann nicht, wenn das Investment darauf ausgerichtet ist, Geld zu verdienen. Der Investor will - irgendwann - sein Geld zurückerhalten und noch einen Gewinn obendrauf. Darf man mit Fußball Geld verdienen? Ja, man darf. Aber diejenigen, die das tun, sind nicht die Bezahler. Und ich bin sehr dafür, dass die, die für die Musik bezahlen, bestimmen, was gespielt wird.


    Wer ist das? Es sind die Zuschauer und Fans. Wir alle bezahlen für den Fußball. Mit unseren Eintrittsgeldern, Vereinsbeiträgen, Ausgaben für Fanartikel und Stadionverpflegung. Mit den Produkten, die wir den beim Fußball Werbenden, zuvorderst mittels Fernsehreklame, abkaufen, und mit vielem anderen mehr. Nicht zuletzt mit unserem Engagement, den Verein lebendig zu halten, attraktiv zu machen, sein Image und seine Reputation zu verbessern. Im Gegensatz zu den Investoren bekommen wir von unserem Geld und für unser Engagement nichts zurück, wir ziehen keinen finanziellen Nutzen daraus. Deshalb ist es völlig legitim, dass wir selbst über den Verein bestimmen wollen und dafür Menschen aus unserer Mitte ins Präsidium wählen, die den Verein so gestalten, wie wir ihn haben wollen - und nicht so, wie er für Investoren den besten Gewinn abwirft.


    Vor reichlich zwei Jahrzehnten kam ein Investor in einer besonderen Situation zu uns. Die Situation war nämlich so, dass es mehr als unsicher schien, ob das von ihm gezahlte Geld jemals zurückfließen würde. Zudem gab er sein Geld zu Konditionen, die denkbar ungünstig für ihn selbst waren, dafür aber für den Verein die Rettung. Ich spreche von Michael Kölmel. Wir haben zudem eine Reihe von Sponsoren aus dem Mittelstand, die den Verein teils seit Jahrzehnten unterstützen und denen es immer um den Verein ging und sehr viel weniger um einen Rückfluss ihres Engagements in Form von Gewinnen und anderen Vorteilen. Das sind Beispiele, wo ich sage: Diese Sponsoren gehören ganz sicher zu den Bezahlern. Zur Union-Famile gehören sie sowieso. Sie haben ein viel größeres Anrecht, im Verein mitzureden als ein Investor, dem es vornehmlich um seinen Gewinn geht und um die Sicherheit seiner finanziellen Anlage.


    Heute ist es schon so weit, dass der sportliche Wettbewerb (und damit die Spannung) immer mehr eingeschränkt wird, weil Investoren das Risiko minimieren wollen. Deshalb befördern unter anderem die Regeln der Einnahmenverteilung, dass die Top Ten im Europäischen Fußball weitgehend unter sich bleiben und dass Bayern München Deutscher Meister auf ewig zu sein scheint.


    Aus diesen Gründen ist es richtig, wenn 50+1 bleibt. Wenigstens 50+1. Der Fußball hat seine Selbstbestimmung schon viel zu weit hergegeben, weil er sich selbst in die Abhängigkeit von Investoren begeben hat. Diese noch zu vertiefen, kann nicht die Lösung sein, ganz im Gegenteil.


    Es gab in dem Rahmen auch eine Nebendiskussion über Play-Offs. Dabei ist richtig: Play-Offs machen die letzten Spieltage der Saison spannender. Aber dieses Plus an Spannung wird lediglich zu Lasten der ersten Saisonphase erkauft. Welchen Wert sollte denn etwa für Bayern-München-Anhänger unter den Bedingungen von Play-Offs ein Vorrundenspiel Augsburg gegen Bayern haben? Heute sagt man sich: Wir wissen zwar, wer gewinnen wird, aber falls Bayern doch verliert, dann könnten ihnen vielleicht die drei Punkte am Saisonende entscheidend fehlen. Wenn es jedoch Play-Offs gibt, entfällt sogar dieser letzte Rest an Relevanz, denn dann fiele eine Niederlage für Bayern noch viel weniger ins Gewicht. Wer Play-Offs installiert, darf sich nicht wundern, wenn das Interesse im ersten Saisondrittel deutlich zurückgeht. Anstatt von Play-Offs brauchen wir eine wieder fairere Einnahmenverteilung, um den Wettbewerb wieder spannender zu machen. Denn ein Wettbewerb, in dem alle eine realistische Chance haben, macht die Attraktivität des Sports!

    Ja, richtig, die genannten Fanvertreter waren dabei. Eigentlich hatte ich die Zusammensetzung mit vielen eben nicht verbandsnahen Leuten als bewusste Distanz zum Tagesgeschäft verstanden, um nicht zu viel hinderliche Rücksicht auf alte Strukturen und Privilegien nehmen zu müssen. Das ist offenbar in keiner Weise aufgegangen. In der Gruppe waren Vertreter unterschiedlichster Interessen (und dabei eine relativ große Zahl aus dem Vermarktungssegment), und offenbar konnten sie sich auf überhaupt nichts einigen. Außerdem hat man wohl "vergessen", die Taskforce mit irgendwelchen Befugnissen auszustatten, wie es ihre militärische Bezeichnung eigentlich nahelegen würde. Also ein zahnloser Tiger, der nicht weiß, wohin er will. Aber schön, mal drüber geredet zu haben. ;(


    Ergebnis ist nun ein Papier mit einigen wunderschönen Zielen, die allen gefallen. Was will man gegen Nachhaltigkeit und Diskriminierungsfreiheit sagen.


    Opi hat völlig Recht, das Papier von "Zukunft Profifußball" hat eine ganz andere, tausendmal bessere Qualität. Nur haben die entscheidenden Leute kein Interesse. Für Christian Seifert ist die Taskforce ein toller Erfolg, eine tolle Weichenstellung. Klar: Geht alles so weiter wie unter seiner Führung geprägt.


    Ja, Andreas Luthe war da als Spielervertreter. Ich weiß nicht, ob es eine so gute Idee ist, ihm einen Fragenkatalog vorzulegen. Seine Aufgabe war es ja nur, die Interessen der Profis zu vertreten. Interessanter fände ich, wenn man ihn auf ein Gespräch einladen könnte, um ein paar Eindrücke zu erfahren über die Arbeitsweise und die Interessenkollisionen in dem Gremium. Aber so eine Veranstaltung ist ja praktisch nicht möglich zurzeit.


    Am Donnerstag macht "Unsere Kurve" eine Videokonferenz, wo sie über die Mitarbeit in der Taskforce sprechen wollen. Ich bemühe mich gerade um eine Einladung. Wenn ich dabei sein kann, schreibe ich hier gern noch paar Zeilen (nur wenn sich's lohnt).


    Darüber hinaus darf ich auf die Pressemitteilung von ProFans verweisen. Überschrift: "Bündnis ProFans zum Ergebnisbericht der 'Taskforce' Zukunft Profifußball: Nein, wir sind nicht enttäuscht, denn wir haben nichts anderes erwartet".

    Ingo Petz macht seit Jahren Projekte, um die hiesige Fankultur, Strukturen, Mitbestimmung usw. in Osteuropa (insbes. Belarus, Ukraine, Russland) bekannt zu machen, derzeit sind dazu freilich keine Formate mit direkten Treffen möglich. Ich hab in dem Rahmen in der Reihe "Fankurve Ost – Поговорим про фанкультуру" ("Lasst uns über Fankultur reden") vor ein paar Wochen als ProFans-Sprecher (und Unioner) ein Interview gegeben (nein, nicht auf Russisch ;) ), welches am kommenden Sonntag

    • 27. 12. 2020, ab 18:15 Uhr

    Premiere hat, und zwar unter: https://youtu.be/-nPK1H_0tgA .


    Das ist natürlich auch später noch abrufbar. Vielleicht mag die eine oder der andere mal reinschauen.

    Die Deutsche Akademie für Fußball-Kultur hat mir gerade gemailt. Es ist SEHR kurzfristig, aber vielleicht liest es ja doch noch jemand und hat Interesse.


    "Verehrte Freundinnen und Freunde der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur,
    heute Abend ist es so weit: Wir bringen die feierliche Verleihung der 15. Deutschen Fußball-Kulturpreise aus der Nürnberger Tafelhalle direkt zu Ihnen nach Hause.
    Abendgarderobe erwünscht! Die Online-Gala startet um 20 Uhr – alles, was Sie benötigen, ist ein Endgerät, mit dem Sie https://www.fussball-kultur.org/online-Gala aufrufen.
    Ebenfalls zusehen können Sie via youTube: https://youtu.be/VcePg84Ao78 – in der youTube-App auf Ihrem Smart TV suchen sie einfach nach „Deutscher Fußball-Kulturpreis 2020“.
    Diese Einladung dürfen Sie sehr gerne weitergeben.
    Die Deutsche Akademie für Fußball-Kultur verleiht den Deutschen Fußball-Kulturpreis in vier Kategorien:


    • easyCredit Fanpreis in der Kategorie „Fußball-Utopie des Jahres“, u.a. an Gesellschaftsspiele e.V.
    • Fußballbuch des Jahres an Hans Woller
    • Fußballspruch des Jahres an Daniel Thioune
    • Walther Bensemann Preis 2020 an Silvia Neid und die Weltmeister von 1954.


    Für Hintergrundinfos zu allen Wettbewerben, Preisträger*innen und zum Programm stellen wir Ihnen unser wunderschön aufbereitetes Programmheft zum Download zur Verfügung:
    https://www.fussball-kultur.org/online-Gala
    Wir sind gespannt, wie Ihnen die Online-Gala gefällt. Ihre Eindrücke können Sie während der Show mit dem Hashtag #fubakup in den sozialen Netzwerken teilen.


    Bis später, mit herzlichen Grüßen
    Birgitt Glöckl und Ihr Team der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur"

    Seit heute ist die Erklärung der Initiative "Unser Fußball" veröffentlicht. Der Eiserne V.I.R.U.S. gehört zu den Erstunterzeichnern. (Siehe dazu auch am Samstag einen Beitrag im Programmheft.) Wer möchte, kann die Erklärung auch als Privatperson unterzeichnen. Je mehr, desto besser.


    Der Link dazu, wo auch der Wortlaut nachzulesen ist: unserfussball.jetzt

    Schlimmer als das ist, dass UK & Co. sich in der Sitzung am vergangenen Donnestag genau dahin drängen lassen haben, wie ich es befürchtet (und auch kommuniziert) hatte: Es wurde über die Form der Proteste gesprochen (welcher Spruch ist tolerabel, welcher nicht, und wie kann die Reaktion des Verbandes verfeinert werden), statt über die viel wichtigeren Inhalte: Kollektivstrafen und Grenzen der Kommerzialisierung. Es gab dann wohl lediglich zum Schluss einen "Hinweis" der Fanseite, dass man doch über Kollektivstrafen nachdenken könnte, um die Wogen zu glätten, und dass die Verbände doch bitte aufgefordert seien, in Erwägung zu ziehen, sich darüber Gedanken zu machen. - So ungefähr jedenfalls.


    Die Verbände? In die Arbeitsgruppe hätte es gehört, und zwar an die erste Stelle der Tagesordnung!


    Für mich persönlich ist das, wie auch jedes einzelne Protokoll der Arbeitsgruppensitzungen (ich bekomme das immer noch jedes Mal zu lesen) immer wieder Bestätigung, dass wir (ProFans, aber auch Fanszenen, BAFF) wirklich nichts verpassen, wenn wir uns an dem Format seit ein paar Jahren nicht mehr beteiligen. DFB und DFL sind einfach nicht willens, die wirklich wichtigen Dinge mit den Fans zu besprechen, und schon gar nicht "auf Augenhöhe".

    Nachdem die bereits zuvor angedrohte Kollektivstrafe gegen die BVB-Fans (wegen Beleidigung) nun per Beschluss des DFB-Sportgerichts ihre Wirkung erlangt hat, gab es Proteste mehrerer Fanorganisationen, unter anderem von ProFans:



    Pressemitteilung



    – 20. 2. 2020: In Gedenken an die Opfer des Terroranschlages von Hanau verzichtet ProFans auf die sofortige Herausgabe dieser Pressemitteilung. –


    Kollektivstrafen – das Machtinstrument der Despoten


    Berlin, den 20.02.2020


    Am 23. Mai 1949 gab sich die Bundesrepublik Deutschland ihre Verfassung, deren Artikel 1 im ersten Satz besagt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Gleich im Artikel 2 heißt es: „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.“


    Nun regelt das Grundgesetz nur das Verhältnis des Staates zu den Menschen, die unter seiner Macht stehen, nicht aber das Verhältnis von Menschen und nichtstaatlichen Organisationen untereinander. Darin sieht der Deutsche Fußballbund seit vielen Jahren für sich die Rechtfertigung, die Menschenwürde von Zuschauern und Fans bewusst und wiederholt zu verletzen.


    Als im Jahre 2018, 69 Jahre nach Inkrafttreten des Grundgesetzes, der damalige DFB-Präsident Grindel die Aussetzung der Kollektivstrafen verkündete, dachten viele, dies sei ein verlässliches Bekenntnis zur Achtung der Menschenrechte der Fans. Aber weit gefehlt! Längst ist es beim DFB wieder etablierte Praxis, stellvertretend für Einzelne, die eine Rechtsnorm oder auch nur eine privatrechtliche Verpflichtung verletzt haben, Unbeteiligte zu bestrafen.


    Wie jetzt bekannt wurde, dürfen die Fans von Borussia Dortmund für drei Jahre nicht die Spiele ihrer Mannschaft bei der TSG Hoffenheim besuchen. Grund dafür ist die Beleidigung des Mäzens der Hoffenheimer, der, unbeirrrt von der nicht nachlassenden massenhaften Kritik, an seinem den sportlichen Wettbewerb pervertierenden finanziellen Engagement festhält und damit fußballinteressierte Menschen im ganzen Land gegen sich aufbringt.


    Trotz allem hat auch Herr Hopp ein Recht auf den Schutz seiner persönlichen Würde, keine Frage. Wer jedoch den vermeintlichen Schutz einer Person vor beleidigenden Äußerungen über die Menschenwürde Tausender stellt, handelt niederträchtig und demagogisch. Denn es verletzt die Menschenwürde, wenn Unschuldige wegen Handlungen, für die andere verantwortlich sind, bestraft werden. Diese Erkenntnis ist de facto Konsens in allen zivilisierten Gesellschaften – nicht jedoch beim DFB!


    Zudem muss man sich fragen, welchen Plan der größte nationale Sportfachverband der Welt damit eigentlich verfolgt. Es ist doch sattsam bekannt, wie Menschen reagieren, die man benachteiligt, ohne dass sie dazu Anlass gegeben hätten: Sie entwickeln Wut, Zorn, Hass. Wenn man die DFB-Oberen nicht für naiv hält, muss man vermuten, dass sie insgeheim nur sehnlichst auf die nächsten Ausschreitungen von Fans warten, die in ihrer Ohnmacht, sich wirksam zu wehren, alle Regeln über den Haufen werfen.


    Uns macht es, im Gegensatz zur DFB-Führung, Sorge.