Posts by sig

    Wie ging es euch gestern? Wir hatten den Eindruck, dass die Wiedergabe des Chorgesangs auf der Bühne deutlich lauter als sonst war und damit viel ZU laut, weil man die Massen gar nicht mehr singen hörte. Dadurch hatte es gar keine Bedeutung mehr, ob wir selbst mitsangen oder nicht, denn es änderte ja nichts. Ich empfand das Gemeinschaftserlebnis damit leider sehr beeinträchtigt. Das Event hatte eher den Charakter eines Konzertes denn eines gemeinschaftlichen Singens. Habt ihr, die ihr dabei wart, das auch so empfunden?


    Allen schöne Weihnachtstage und alles Gute (Eiserne) in 2024!

    Hello, unfortunately it is really hard to get tickets at the moment. The matches are always sold out and the tickets are partly raffled among the club members. This will stay until summer 2025, after which the stadium will probably be expanded.


    There are always some test matches in the summer, so there are chances to get a ticket.

    Diesen Beitrag nehme ich mal unter "Fanpolitik", weil Austria Salzburg nicht irgendein Verein ist, sondern schechthin DAS Symbol gegen die Vereinnahmung durch den Rattenball. Bekanntlich gibt es gewisse Bande zwischen Union und Austria, die etwa mit dem Benefizspiel 2016 und verschiedentlichen Besuchen in Salzburg, vornehmlich durch die Wildauer Kickers initiiert, belebt wurden und werden.


    Am 3. März fand die diesjährige Mitgliederversammlung statt. Finanziell wurde im Berichtsjahr ein leicht rotes Ergebnis eingefahren und auch für das laufende Spieljahr erwartet. Dabei ist aber die Rückzahlung der Altschulden vorangeschritten und wird voraussichtlich in diesem 90. Jahr seit Vereinsgründung abgeschlossen werden. Der Verein versucht seinen sozialen Wert für die Stadt zu erhöhen, etwa indem inzwischen rund 140 Kinder und Jugendliche bei der Austria trainieren und spielen, was für den kleinen Verein beachtlich ist. Als einziger Verein im Bundesland Salzburg hat Austria ein "Spezal Needs Team" aufgestellt, also eine Mannschaft für junge Menschen mit Handycap. Sportlich wird die Etablierung in der 3. Liga (ab Sommer 2023 wieder RL West) und perspektivisch ein (Wieder-)Aufstieg in die 2. Liga angestrebt.


    In dem Zusammenhang plagen den Verein allerdings gehörige Sorgen um das Stadion. (Wir Unioner können wirklich froh sein über unsere inzwischen erlangte Unabhängkeit!) Das Stadion würde den Voraussetzungen für die 2. Liga voraussichtlich nicht mehr genügen. Die Stadt möchte die Fantribüne hinter dem Tor abreißen, außerdem verbietet die Stadt die Weiternutzung des Flutlichts. Ohne die Tribüne wäre die Stadionkapazität auf etwa die Hälfte des Zuschauerdurchschnitts geschrumpft. Beim Flutlicht geht es um die insektenunfreundliche Lichtfarbe - die dieselbe ist wie auf dem unmittelbar nahegelegenen Flughafen genutzt. Den rechtlich möglichen Bestandsschutz gewährt die Umweltbehörde nicht. Eine Umrüstung würde etwa 250.000 Euro kosten und ist durch den Verein nicht zu stemmen.


    Es gibt ein Projekt eines Investors für einen kombinierten Bau von Wohnungen und einem neuen mietbaren Stadion, der von der Stadt blockiert wird, ohne dass die Stadt eine Alternative anbietet. Und das, obwohl auch Salzburg unter Wohnungsnot leidet. Und traurig, wie die Stadt Salzburg mit ihrem mitgliederstärksten Fußballverein umgeht. Mozart und RB bringen mehr Kohle...


    Es gibt noch etwas Neues: eine sogenannte "Internationale Mitgliedschaft". Damit können Nicht-Ösis den Verein für nur 39 Euro im Kalenderjahr mit einer Mitgliedschaft unterstützen. Das sind umgerechnet 3,25 Euro monatlich. Statuarisch ist das eine ermäßigte Mitgliedschaft, die u. a. zur Teilnahme an den Jahresversammlungen berechtigt, allerdings ohne Stimmrecht. Für Deutschland gilt das Angebot nördlich des sogenannten Weißwurstäquators, also alles, was nördlich von Regensburg liegt. Vielleicht mag das für die eine oder den anderen von uns interessant klingen, auf diese Weise Solidarität zu üben. Ich denke nicht, dass es da jemals einen Interessenskonflikt geben wird. Die Neuerung gilt laut Beschluss ab sofort, ist aber noch nicht in der Website eingepflegt. Wer interessiert ist und es gleich unter Dach und Fach bringen will, kann sich gern an mich wenden und ich vermittle dann.

    Folgendes ist gerade an die Presse gegangen.



    Sehr geehrte Damen und Herren,


    anbei erhalten Sie eine Pressemitteilung von ProFans. Das Fanbündnis zieht
    nach zwei Jahrzehnten ein kritisches Fazit und beendet seine Tätigkeit.


    +++ Mit dem Versenden dieser Nachricht stellt ProFans seine Tätigkeit ein
    und steht auch für Rückfragen nicht mehr zur Verfügung. Wir danken für
    bisherige und künftige angemessene Berücksichtigung der Faninteressen in
    Ihrer journalistischen Berichterstattung. +++


    Mit freundlichen Grüßen


    im Auftrag
    Sig Zelt
    (ProFans)



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    Pressemitteilung des Bündnisses ProFans:



    Wir gewinnen!



    Berlin, den 13.01.2023


    Begonnen als Pro 15:30, hat ProFans sich über zwei Jahrzehnte für die Fankultur engagiert. Nun ist es Zeit ein finales Fazit zu ziehen. Aus einer Jugendbewegung ist eine Kultur geworden. Aus der Bewegung heraus hatte ProFans die Ehre, Fandemonstrationen, -proteste, drei Kongresse und Verbandsarbeit zu organisieren. Gemacht haben wir viel und doch am Ende nie das erreicht, was wir uns als Ziel gesetzt haben. Wer jetzt aber denkt, dass wir mit geneigtem Haupt den Rückwärtsgang einlegen, ist auf dem Holzweg. Denn allen externen und internen Unkenrufen zum Trotz sind wir immer noch da: kreativ, lautstark und unangepasst.


    Die selbsternannten moralischen Instanzen DFB und DFL hingegen sind ideell und inhaltlich am Ende. Der DFB steht vor allem für Personalrochaden, Selbstherrlichkeit und Misswirtschaft. Anstelle sich um den Volkssport Fußball zu kümmern, hat der Verband völlig den Kontakt zur Basis verloren. Seit Jahren ist die Staatsanwaltschaft regelmäßiger Gast in der Verbandszentrale. Etliche Kommunikationsformen mit Fans wurden nur um den Selbstzweck eines angeblichen Dialogs geführt, ehrliche Bemühungen wurden niemals im DFB gelebt. Die letzten Diskussionen um die Finanzierung der KOS sind ein Sinnbild dafür, wie sehr der Verband und seine Akteure gesellschaftlich abgewirtschaftet haben.


    Daneben steht die DFL als Finanzkartell, um das Rattenrennen Profifußball zu finanzieren. Die letzten Wochen haben aus Sicht von ProFans nochmals deutlich die inhaltsleere dieses Konstruktes offenbart. Ob die Finanzierung der KOS oder die nackte Panik um die TV-Gelder - das Geschäftsmodell des „immer mehr“ droht zu scheitern. Eine Clique verteidigt auf intransparente Weise ihre finanziellen Pfründe. Über die Frage des Geldes hinaus, hat die DFL keine Inhalte im Sinne des Fußballs zu bieten. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese Idee scheitert.


    Beide Verbände sind nicht fähig, die gesellschaftlichen Fragen rund um den Fußball zu behandeln. Die vergangene Weltmeisterschaft und die
    Haltungslosigkeit der Verbände sind schlussendlich das überdeutliche Finale der moralischen Bankrotterklärung. Aus Sicht von ProFans ist das wenige gesellschaftliche Engagement und der vorgeschobener Fandialog der Verbände als reine PR-Maßnahmen zu begreifen. Konsequenterweise hat ProFans vor Jahren daher auch den institutionalisierten Dialog mit den Verbänden beendet.


    Die Jahre haben uns Recht gegeben. DFB und DFL sind keine verlässlichen Ansprechpartner. Deren Fanarbeit und ihre Akteure sind die Titel nicht wert. Die Erfahrung hat gezeigt, dass wir keine ewig sinnlosen Diskussionsrunden brauchen. Funktionäre in Politik, Verband und Verein
    kommen und gehen, wir sind immer noch da. Wir sind Teil unserer Vereine, unserer Stadtkultur, unseres Fußballs. Die Leidenschaft konnte weder durch Sportgerichte noch durch die Sicherheitsbehörden verboten werden. Kein Funktionär und kein Innenminister kann uns stoppen.


    Wir haben gelernt, Herausforderungen zu meistern. Es war nicht immer einfach, aber wir haben uns weiterentwickelt. Die Zeiten haben sich
    geändert und ProFans hat seinen Teil dazu beigetragen. Somit lehnen wir uns zum Ende von ProFans nicht zurück, sondern freuen uns auf die nächsten Jahre Fanarbeit auf anderen Ebenen.


    Statt dabei leise „Ciao“ zu sagen, brüllen wir den Einpeitschern des sogenannten modernen Fußballs lieber ein feuchtfröhliches „Fickt euch“
    entgegen. Wir bleiben unbequem, unangepasst und in der Sache vereint. Dafür braucht es keine Institution. Sondern einfach nur Power. Und die haben wir...


    ProFans ist ab heute Geschichte. Ihr werdet von uns hören.



    ProFans im Januar 2023


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    Mal wieder eine FSE-Umfrage. Sie wollen damit Argumentationsstoff gegenüber der UEFA bekommen. Die Umfrage ist in Englisch, lässt sich aber schnell abarbeiten. ;)


    Zielgruppe bei Union sind alle, die wenigstens ein Heimspiel der Europa-League im Stehplatzbereich besucht haben.


    https://www.surveymonkey.co.uk/r/ZVL89MJ


    Wäre schön, wenn sich einige beteiligten. Bis jetzt ist ja noch nicht einmal klar, ob die Regelung nach dem kommenden Sommer verlängert wird.

    Stefan Osterhaus hat ein gut zwanzigminütiges Feature über Union in der Bundesliga gemacht, das bis Anfang August 2023 hier angehört und heruntergeladen werden kann. Wir wollen mal den Mantel des Schweigens darüberlegen, dass der WDR den V.I.R.U.S. als Ultragruppe sieht und olle Sig als deren Sprecher. Originalstimmen sind von Christian Arbeit, Christoph Biermann und meiner Wenigkeit.

    Das Magazin "11 Freunde" bittet um kurzfristige Teilnahme an einer Umfrage. Vielleicht mag die eine oder der andere mitmachen.


    "...wir von 11FREUNDE wollen wissen, wie es im Jahr 2022 eigentlich Auswärtsfans in Deutschland ergeht. Nicht erst das Cham­pions-League-Finale hat gezeigt, dass es im Umgang mit Fuß­ball­fans häufig hapert. Auch hier­zu­lande gibt es Nach­hol­be­darf. Aber wo wird mit Gäs­te­fans am schlech­testen umge­gangen? Wo ist man am net­testen? Das wollen wir herausfinden.


    Dazu haben wir eine Umfrage konzipiert, an der wir uns eine möglichst große Teilnahme erhoffen, damit ein breites Stimmungsbild entsteht. ... Hier der Link: https://11freunde.de/artikel/auswaerts-zuhause/6529240"

    In den letzten Tagen und Wochen zeigte sich FSE - Football Supporters Europe - (der VIRUS ist Mitglied) sehr aktiv bei der Unterstützung verschiedener Aktionen und Organisationen. Dies möchte ich hier in einigen kurzen Hinweisen zum Weiterlesen zusammenfassen.


    1. Solidarität mit der Ukraine - VOSTOK SOS


    Wer vielleicht noch am Überlegen ist, eine (oder eine weitere) Geldspende zu geben, die der vom Krieg betroffenen ukrainischen Bevölkerung zugute kommen soll, und dabei uneins mit sich ist, welche Organisation dafür birgt, dass die Spende auch wirklich dort wirksam wird, wo sie am allerdringendsten benötigt wird, dem empfiehlt FSE die Organisation VOSTOK SOS. Die international aufgestellte NGO hat ihre Basis in der Ukraine und bringt Güter für humanitäre und medizinische Hilfe direkt durchs Land zu den betroffenen Menschen. Über ihre Arbeit ist (allerdings in Englisch) auf den FSE-Webseiten ein Interview nachzulesen. Spenden können über die deutsche Partnerorganisation Libereco geleistet werden (steuerlich absetzbar).



    2. Reclaim your face


    Die European Citizen Initiative hat eine offizielle Petition nach EU-Recht gestartet, mit dem Ziel, eine Massenüberwachung auf Basis von Gesichtserkennung durch umfassende Verbote (die sowohl für staatliche wie auch private Stellen gelten sollen) zu verhindern. Gar keine Frage, dass Stadiongänger potentiell ganz besonders davon betroffen wären. Es geht dabei ausdrücklich nicht darum, etwa zu verhindern, dass nach schwerwiegenden Straftaten Videomaterial gesichtet wird, um etwaige bekannte Personen zu erkennen. Vielmehr geht es darum, zu verhindern dass massenhaft und anlasslos Aufnahmen mit entsprechender Software ausgewertet werden, wodurch man im Extremfall über jede Person im Stadion umfassende Informationen gewinnen und sammeln könnte: Wo hat sie gestanden, mit wem hat sie sich getroffen, wie viel Bier hat sie getrunken und wann war sie auf dem Klo? Leider ist das nicht mehr allzu utopisch. Hier geht es zur Petition "Reclaim your face".


    3. Win It On The Pitch (Sport soll Sport bleiben)


    Eine weitere Initiative resp. Petition auf gleicher Grundlage möchte erreichen, dass sich die EU-Kommission mit der Problematik befasst, dass im Spitzenfußball mit dem Überhandnehmen kommerzieller Ziele die sozialen Werte des Fußballs mehr und mehr ins Hintertreffen geraten. Sie (die Kommission) möge Empfehlungen für Regeln und Richtlinien für die Mitgliedsstaaten erlassen, die die traditionellen Werte des Fußballsports in Europa schützt. Mehr dazu kann man auf der Website Win It On The Pitch nachlesen (auch auf Deutsch), und direkt auf der Website der EU (rechts oben Sprache wählen) kann man die Initiative mit der eigenen Stimme unterstützen.



    4. Sachbuch über die Polizei


    Dieser Hinweis kam nicht von FSE, sondern ganz persönlich von Tobias Singelnstein. Der Professor für Kriminologie aus Bochum ist ja bereits seit einiger Zeit eine relativ bekannte Marke und für seine kritische Bewertung bestimmter polizeilicher Strukturen bekannt. Zusammen mit Benjamin Derin hat er sein neues Buch "Die Polizei – Helfer, Gegner, Staatsgewalt" herausgebracht. Es kostet 25 Euro, ist aber sicherlich auch bald in öffentlichen Bibliotheken ausleihbar. Hier kann man einen Blick ins Inhaltsverzeichnis (mit Leseprobe) werfen.

    Am Dienstagabend legte der Wirtschaftsrat ein weiteres Stadiongespräch auf, zum Thema Kommerzialisierung des Fußballs. Ich will hier nicht detailliert auf die Teilnehmer und Inhalte eingehen, die Veranstaltung war nicht öffentlich. So viel kann ich aber sicherlich sagen: Die Meinungen, die der Kommerzialisierung Wort reden, waren durchaus stark vertreten. Ich bin hinterher von mehreren angesprochen worden, warum ich mich in der Fragerunde nicht zu Wort gemeldet habe, um eine deutliche Position entgegenzusetzen. Tatsächlich hätte mich das durchaus gejuckt, aber auf die Vielzahl der angesprochenen Aspekte fiel mir nicht DIE prägnante, kurze, zündende Widerrede ein. Ich hätte zu allem etwas sagen können, aber das hätte den Rahmen eines kurzen Diskussionsbeitrages gesprengt. Letztendlich war es ja ein Podiumsgespräch. Dennoch kann ich wenigstens im Nachgang hier ein Statement abgeben. Das darf gern anderswo genutzt werden, dann bitte mit Namensnennung.


    Eine, wenn nicht gar DIE Kernfrage war: "Darf" man mit (Profi-)Fußball Geld verdienen? Dazu gibt es keine Meinungsverschiedenheit. Ja klar, selbstverständlich. Nicht nur der Spieler, sondern auch die Brezelverkäuferin im Stadion verdient durch den Fußball Geld. Allerdings wird die Brezelverkäuferin sich nicht anmaßen, wegen des Kapitals, das sie eingesetzt hat, um ihren Vorrat von hundert Brezeln zu beschaffen, über die Geschicke des Vereins mitzubestimmen. Und da sind wir bei denen, die mit der Frage eigentlich gemeint waren, nämlich bei den Investoren im Fußball.


    Eine der abschreckendsten Perversionen besteht darin, dass bestimmte Investoren den sportlichen Erfolg regelrecht einkaufen. Dabei ist es nicht einmal so, dass die Höhe ihres Investments den sportlichen Erfolg bestimmt, sondern genau umgekehrt: Das sportliche Ziel bestimmt die Höhe des Investments. Da kommt etwa ein Brausefabrikant und fragt, wie viel es kostet, in zehn Jahren einen Platz in der Champions League zu haben. Den Preis, der ihm von einem kundigen Berater genannt wird, bezahlt er, und mit ziemlicher Sicherheit erhält er das nachgefragte Produkt. Mit sportlichem Wettbewerb hat das wenig zu tun. Für alle anderen, die mithalten wollen, bedeutet es, dass sie für den gleichen Tabellenplatz wie vorher von nun an mehr Geld aufwenden müssen. Mehr Geld für nicht mehr Erfolg. Was, bitteschön, sollten wir daran gut finden? Denn diese Überlegung führt unweigerlich zur zweiten Frage:


    Wer bezahlt den Fußball eigentlich? Der Investor ist es nämlich keineswegs, der bezahlt; zumindest dann nicht, wenn das Investment darauf ausgerichtet ist, Geld zu verdienen. Der Investor will - irgendwann - sein Geld zurückerhalten und noch einen Gewinn obendrauf. Darf man mit Fußball Geld verdienen? Ja, man darf. Aber diejenigen, die das tun, sind nicht die Bezahler. Und ich bin sehr dafür, dass die, die für die Musik bezahlen, bestimmen, was gespielt wird.


    Wer ist das? Es sind die Zuschauer und Fans. Wir alle bezahlen für den Fußball. Mit unseren Eintrittsgeldern, Vereinsbeiträgen, Ausgaben für Fanartikel und Stadionverpflegung. Mit den Produkten, die wir den beim Fußball Werbenden, zuvorderst mittels Fernsehreklame, abkaufen, und mit vielem anderen mehr. Nicht zuletzt mit unserem Engagement, den Verein lebendig zu halten, attraktiv zu machen, sein Image und seine Reputation zu verbessern. Im Gegensatz zu den Investoren bekommen wir von unserem Geld und für unser Engagement nichts zurück, wir ziehen keinen finanziellen Nutzen daraus. Deshalb ist es völlig legitim, dass wir selbst über den Verein bestimmen wollen und dafür Menschen aus unserer Mitte ins Präsidium wählen, die den Verein so gestalten, wie wir ihn haben wollen - und nicht so, wie er für Investoren den besten Gewinn abwirft.


    Vor reichlich zwei Jahrzehnten kam ein Investor in einer besonderen Situation zu uns. Die Situation war nämlich so, dass es mehr als unsicher schien, ob das von ihm gezahlte Geld jemals zurückfließen würde. Zudem gab er sein Geld zu Konditionen, die denkbar ungünstig für ihn selbst waren, dafür aber für den Verein die Rettung. Ich spreche von Michael Kölmel. Wir haben zudem eine Reihe von Sponsoren aus dem Mittelstand, die den Verein teils seit Jahrzehnten unterstützen und denen es immer um den Verein ging und sehr viel weniger um einen Rückfluss ihres Engagements in Form von Gewinnen und anderen Vorteilen. Das sind Beispiele, wo ich sage: Diese Sponsoren gehören ganz sicher zu den Bezahlern. Zur Union-Famile gehören sie sowieso. Sie haben ein viel größeres Anrecht, im Verein mitzureden als ein Investor, dem es vornehmlich um seinen Gewinn geht und um die Sicherheit seiner finanziellen Anlage.


    Heute ist es schon so weit, dass der sportliche Wettbewerb (und damit die Spannung) immer mehr eingeschränkt wird, weil Investoren das Risiko minimieren wollen. Deshalb befördern unter anderem die Regeln der Einnahmenverteilung, dass die Top Ten im Europäischen Fußball weitgehend unter sich bleiben und dass Bayern München Deutscher Meister auf ewig zu sein scheint.


    Aus diesen Gründen ist es richtig, wenn 50+1 bleibt. Wenigstens 50+1. Der Fußball hat seine Selbstbestimmung schon viel zu weit hergegeben, weil er sich selbst in die Abhängigkeit von Investoren begeben hat. Diese noch zu vertiefen, kann nicht die Lösung sein, ganz im Gegenteil.


    Es gab in dem Rahmen auch eine Nebendiskussion über Play-Offs. Dabei ist richtig: Play-Offs machen die letzten Spieltage der Saison spannender. Aber dieses Plus an Spannung wird lediglich zu Lasten der ersten Saisonphase erkauft. Welchen Wert sollte denn etwa für Bayern-München-Anhänger unter den Bedingungen von Play-Offs ein Vorrundenspiel Augsburg gegen Bayern haben? Heute sagt man sich: Wir wissen zwar, wer gewinnen wird, aber falls Bayern doch verliert, dann könnten ihnen vielleicht die drei Punkte am Saisonende entscheidend fehlen. Wenn es jedoch Play-Offs gibt, entfällt sogar dieser letzte Rest an Relevanz, denn dann fiele eine Niederlage für Bayern noch viel weniger ins Gewicht. Wer Play-Offs installiert, darf sich nicht wundern, wenn das Interesse im ersten Saisondrittel deutlich zurückgeht. Anstatt von Play-Offs brauchen wir eine wieder fairere Einnahmenverteilung, um den Wettbewerb wieder spannender zu machen. Denn ein Wettbewerb, in dem alle eine realistische Chance haben, macht die Attraktivität des Sports!

    Ja, richtig, die genannten Fanvertreter waren dabei. Eigentlich hatte ich die Zusammensetzung mit vielen eben nicht verbandsnahen Leuten als bewusste Distanz zum Tagesgeschäft verstanden, um nicht zu viel hinderliche Rücksicht auf alte Strukturen und Privilegien nehmen zu müssen. Das ist offenbar in keiner Weise aufgegangen. In der Gruppe waren Vertreter unterschiedlichster Interessen (und dabei eine relativ große Zahl aus dem Vermarktungssegment), und offenbar konnten sie sich auf überhaupt nichts einigen. Außerdem hat man wohl "vergessen", die Taskforce mit irgendwelchen Befugnissen auszustatten, wie es ihre militärische Bezeichnung eigentlich nahelegen würde. Also ein zahnloser Tiger, der nicht weiß, wohin er will. Aber schön, mal drüber geredet zu haben. ;(


    Ergebnis ist nun ein Papier mit einigen wunderschönen Zielen, die allen gefallen. Was will man gegen Nachhaltigkeit und Diskriminierungsfreiheit sagen.


    Opi hat völlig Recht, das Papier von "Zukunft Profifußball" hat eine ganz andere, tausendmal bessere Qualität. Nur haben die entscheidenden Leute kein Interesse. Für Christian Seifert ist die Taskforce ein toller Erfolg, eine tolle Weichenstellung. Klar: Geht alles so weiter wie unter seiner Führung geprägt.


    Ja, Andreas Luthe war da als Spielervertreter. Ich weiß nicht, ob es eine so gute Idee ist, ihm einen Fragenkatalog vorzulegen. Seine Aufgabe war es ja nur, die Interessen der Profis zu vertreten. Interessanter fände ich, wenn man ihn auf ein Gespräch einladen könnte, um ein paar Eindrücke zu erfahren über die Arbeitsweise und die Interessenkollisionen in dem Gremium. Aber so eine Veranstaltung ist ja praktisch nicht möglich zurzeit.


    Am Donnerstag macht "Unsere Kurve" eine Videokonferenz, wo sie über die Mitarbeit in der Taskforce sprechen wollen. Ich bemühe mich gerade um eine Einladung. Wenn ich dabei sein kann, schreibe ich hier gern noch paar Zeilen (nur wenn sich's lohnt).


    Darüber hinaus darf ich auf die Pressemitteilung von ProFans verweisen. Überschrift: "Bündnis ProFans zum Ergebnisbericht der 'Taskforce' Zukunft Profifußball: Nein, wir sind nicht enttäuscht, denn wir haben nichts anderes erwartet".