Grindel-Erklärung

  • Hier die PM von ProFans von gestern.


    Pressemitteilung




    ProFans bezieht Stellung zum „Dialog-Angebot“ von DFB-Präsident Reinhard
    Grindel




    Berlin, den 16.08.2017




    Erstaunt haben die ProFans angeschlossen Gruppen die heute vom DFB
    veröffentlichte Erklärung seines Präsidenten Herrn Grindel zur Kenntnis genommen.
    ProFans stimmt der Aussage zu, wie wichtig die Fankultur mit all ihren sozialen
    Werten für den Fußball ist, und dass diese Erkenntnis einen Grund zum Umdenken
    gibt.




    Die Abkehr von Kollektivstrafen sowie von Bestrafungen auf Grundlage von
    Vermutungen ist längst überfällig. Auch die Wahrnehmung demokratischer Rechte in
    den Vereinen durch die Fanbasis zählt zur Kultur des Umgangs und zu den sozialen
    Werten des Fußballs. Wir haben noch nie verstanden, warum die Vorstellungen von
    einem emotionalen und sicheren Stadionerlebnis weit auseinanderliegen sollten. Nun
    endlich scheint die DFB-Spitze zu erkennen, dass der von ProFans Anfang 2016 auf
    den Tisch gelegte Vorschlag für einen Neuanfang eines Dialogs, der von
    Augenhöhe, Ernsthaftigkeit und Konstruktivität geprägt ist, dringend aufgegriffen
    gehört.




    Der Einladung zur Arbeitsgruppe Fankulturen ist ProFans seither bekanntlich aus
    guten Gründen nicht gefolgt:




    - In zehn Jahren des Fandialogs seit 2007 wurden nahezu keine Fortschritte im
    Sinne der Fankultur erreicht. Hinweise von ProFans-Vertretern über wachsende
    Unzufriedenheit und Zuspitzungen der Lage wurden nicht gehört.




    - Hingegen haben die Verbände die Aushöhlung der 50+1-Regel hofiert, das Dikat
    des Kommerzes vorangetrieben und die Freiräume für Fans immer weiter
    beschränkt. Wichtige Entscheidungen wie die über die Einstellung der Gespräche
    zum sicheren Pyrotechnik-Einsatz, das Sicherheitspapier 2012 oder mehrere
    Verschärfungen der Stadionverbotsrichtlinie wurden vom DFB ohne Beteiligung des
    Fandialogs getroffen.




    - Die in all den Jahren einzige konstruktive Einigung, nämlich über die Freigabe von
    Fanuntensilien, hatte der Vorsitzende der zuständigen DFB-Kommission, Große
    Lefert durch eine öffentliche Erklärung entwertet; danach wurde diese Initiative bis
    heute praktisch nicht umgesetzt.




    - Die angebliche Wertschätzung aktiver Fans und Ultras wurde allzu oft durch
    gegenteilige Aussagen wie "Totengräber des Fußballs" ad absurdum geführt.




    - Auch die 2016 installierte Arbeitsgruppe Fankulturen hat bis heute lediglich
    freundliche Fotos und unverbindliche Erklärungen produziert.




    All das hat gezeigt, dass der DFB strukturell zu einem verlässlichen Dialog bislang
    nicht in der Lage war; auch nicht nach Übernahme der Federführung der DFL für die
    Arbeitsgruppe Fankulturen. Das Bündnis Aktiver Fußballfans hatte sich übrigens
    schon weit eher als ProFans von den ergebnislosen Gesprächsrunden
    verabschiedet.




    Wenn jetzt ein Umdenken eingesetzt hat, begrüßt ProFans ausdrücklich einen
    Neuanfang eines Fandialogs, dessen Konstruktivität sich auch in dessen Struktur
    zeigt. Dazu gehören für uns die direkte Beteiligung kompetenter
    Entscheidungsträger, eine Einbeziehung der Vereine und größtmögliche
    Rücksichtnahme auf die ehrenamtlichen Fanvertreter, die ihre ohnehin durch
    Wochentagsspiele dezimierten Urlaubstage daransetzen.




    Es bedarf dazu einer neuen, höherrangig angebundenen Dialogstruktur, die die
    Vereine direkt mit einbezieht. Diese sollte jetzt unverzüglich gemeinsam entwickelt
    werden. ProFans bietet dafür die Mitarbeit an.