Aktuelle Situation - AG Fandialog


  • Liebe Forum-Mitglieder,




    anbei ein aktueller Beitrag aus unserem Engagement bei proFans zum Thema AG Fandialog. Wie immer ist eine Diskussion hier im Forum ausdrücklich gewünscht !




    Eingangs möchte ich gerne erwähnen, dass mit Blick auf den Fortschritt des Fandialogs zuliebe die großen Faninitiativen wie ProFans, B.A.F.F. und Unsere Kurve seit dem Fankongress 2007 in Leipzig dazu übergegangen sind, sich in wichtigen Fragen auf gemeinsame Positionen zu einigen und diese gegenüber den Verbänden gemeinsam zu vertreten. Das heißt allerdings nicht, dass es nicht unterschiedliche (Welt-) Anschauungen innerhalb der einzelnen Faninitiativen gibt. Das Ziel ist, "lediglich" in den Punkten gemeinsam zusammenzuarbeiten, welche man im Sinne eines kleinsten gemeinsamen Nenners voranbringen möchte.




    Im August 2010 erreichte die deutsche Medienlandschaft eine Presseerklärung der 3 großen Faninitiativen proFans, B.A.F.F. und Unsere Kurve. Dort reagieren die besagten Faninitiativen auf die bisherige Zusammenarbeit mit DFB und DFL im Rahmen der Arbeitsgruppe Fandialog und drohen offen mit einem Ausstieg aus dieser Arbeitsgruppe zur Winterpause der Saison 2010/11. Das Resümee der Zusammenarbeit in den vorausgegangenen 3 Jahren wird von den Faninitiativen nicht als positiv gewertet. Ursprünglich wurde die Arbeitsgruppe Fandialog ins Leben gerufen, um die gemeinsam erarbeiteten Themen des DFB-Fankongress 2007 in Leipzig im Nachgang zu diskutieren und umzusetzen sowie den Dialog zwischen Fans und Offiziellen zu verbessern und zeitnah sowie aktuell zu halten. Die Realität sieht aus Sicht der Faninitiativen leider ganz anders aus. Diskussionen mit DFB und DFL bei aus Sicht der Initiativen wichtigen Themen verlaufen im Sande bzw. bleiben ergebnislos. Sehr oft werden Zuständigkeiten von offizieller Seite (DFB/DFL) munter hin und her geschoben, oder es mangelt schlicht an der Entscheidungsbefugnis der handelnden Personen, so der Vorwurf. Der Stellenwert der Arbeitsgruppe wird damit aus Sicht der Teilnehmer aus der Fanszene in Frage gestellt. Auch wird dem DFB / der DFL die fehlende Ernsthaftigkeit, sich mit wirklich fanrelevanten Themen auseinanderzusetzen und Veränderungen im Sinne der Fans herbeizuführen, abgesprochen. Es ist der Eindruck entstanden, dass der "Fanclub Nationalmannschaft sponsored by..." einen höheren Stellenwert geniesst als die Problemlösung im sogenannten Tagesgeschäft.




    Aus Sicht der Faninitiativen hat es den Anschein, dass bei der geringsten Form von Fehlverhalten über die Fans und nicht mit ihnen gesprochen wird. Für individuelle Fehler Einzelner, so zeigt die Vergangenheit, werden drastische Strafen für ganze Fanszenen verhängt. Verringerung der Kartenkontingente für Gästefans, Sitzplatzzwang, Ausweiszwang, Polizeikessel oder die schikanöse und entwürdigende Behandlung von Gästefans (u.v.m.) - all diese Strafen und Einschränkungen sind aus der Vergangenheit bekannt und bedeuten aus Sicht der Fans eine pauschale Kriminalisierung aller Fans. Die aus Sicht der Faninitiativen einzige mögliche Alternative hierzu sind Differenzierung und Einzelfallprüfung. Nicht nachvollziehbar sind die hier beschriebenen Maßnahmen auch deshalb, weil mit der AG Fandialog eigentlich ein Medium geschaffen werden sollte, in welchem über aktuelle Entwicklungen und zugehörige Maßnahmen gemeinsam gesprochen werden sollte. Desweiteren wurde in der AG Fandialog von Seite der Faninitiativen auch das Thema Musterstadionordnung angesprochen. Diese stellt ein Grundgerüst des DFB für die Vereine dar, an der viele sich orientieren, z.B. welche Fanutensilien (Fahnen, Doppelhalter) erlaubt werden. Hierzu wurde gemeinsam in der AG Fandialog festgestellt, dass diese nicht fan- und zeitgemäß sei und die Faninitiativen wurden aufgefordert, ihre Vorschläge auf offiziellem Wege einzureichen. Diesem Wunsch wurde nachgekommen. Nach mehreren Monaten des Wartens wurde von offizieller Seite dann kurz und knapp mitgeteilt, dass keine Änderungen an der Musterstadionordnung geplant sind. Desweiteren wurden die Stadionverbotsrichtlinien des DFB im November 2009 ohne jegliche Information in Richtung der Faninitiativen geändert. Auch wenn die Stadionverbotsrichtlinien ein beständiges Thema bei den Sitzungen der AG Fandialog sowie anderen Gesprächsrunden waren, hat der DFB anscheinend nicht realisiert, wie wichtig und sensibel dieses Thema für die Fans ist. Auf Nachfrage der Faninitiativen, warum seitens des DFB keine Information erfolgte, wurde kurz und knapp mitgeteilt, dass nicht alle Änderungen der Richtlinien offiziell beworben würden.




    Desweiteren sind stand heute eine Vielzahl der Themen, welche im Rahmen des bewreits erwähnten Fankongresses 2007 in Leipzig erarbeitet wurden, bis heute nicht abgearbeitet worden (=> http://www.profans.de/pressemi…0607pressefankongress.htm). Der DFB streitet dies jedoch ab. Desweiteren wurde den Faninitiativen versprochen, an einer offiziellen Spieltagsterminierung der DFL teilnehmen zu können. Dies geschah zu einem Zeitpunkt, als die Anstoßzeiten reformiert werden sollten und neue Fernsehverträge zur Verhandlung anstanden. Nachdem monatelang versucht wurde, einen Termin abzustimmen, wurde aus Datenschutzgründen eine Absage erteilt. Dieses und die ausbleibende Unterbreitung von Lösungs- oder Alternativvorschlägen führt dazu, dass sich der Verdacht erhärtet, dass die Zusage nur getätigt wurde, um den damaligen groß angelegten Fanprotesten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Festzuhalten bleibt, dass die Anstoßzeiten weiter zerstückelt und fanunfreundlicher wurden und die TV-Verträge in trockenen Tüchern sind. Die Faninitiativen betonen im Zuge der Presseerklärung, auch weiterhin an einem konstruktiven Dialog auf Augenhöhe interessiert zu sein, jedoch unter neuen (fairen) Rahmenbedingungen. Man möchte ernst genommen werden. Nachdem das Aussetzen der AG Fandialog auf höchster Ebene bei DFB und DFL thematisiert wurde, kam das Thema auch auf der Sitzung der Kommission Prävention und Sicherheit zur Sprache. Offiziell lautet das gemeinsame Bestreben von DFB und DFL, einen kontinuierlichen Dialog mit Fan-Vertretern/innen aufrecht zu erhalten. Aus diesem Grund soll die AG Fandialog fortgeführt werden. Wesentliche inhaltliche Neuerung soll daher die Aufnahme der AG Fandialog in die offiziellen Strukturen des Fußballs sein. So soll die AG fester Bestandteil der Kommission Prävention und Sicherheit werden. Dies würde nach sich ziehen, dass erabeitete Vorlagen aus der AG Fandialog über die Kommission direkt ins DFB-Präsidium gelangen könnten, in dem selbstverständlich auch DFL/Ligaverband prominent vertreten sind. Ein weiteres Vorgehen der Faninitiativen soll u.a. im Rahmen des pro-Fans Sommertreffen im Juli diesen Jahres besprochen werden.




    - sb -

  • Vielen Dank für diese Informationen!


    Nach dem aufmerksamen Durchlesen des Postings kann ich mich aber nicht des Eindrucks erwehren, dass leider nur wenig Positives beim Thema AG Fandialog in der letzten Zeit erreicht werden konnte. Trotzdem, oder gerade deshalb, hier noch einmal mein ausdrücklicher Dank an die Aktivisten von ProFans.


    Es erscheint mir sehr offensichtlich, dass der gemeine Fan lediglich ruhig gehalten und seine Vertretungen hingehalten werden sollen.


    Was gibt es hier für Möglichkeiten Druck auf die DFL/DFB auszuüben, ohne die bestehenden Ansätze der Zusammenarbeit zu zerstören? Transparente reichen da wohl nicht mehr, oder? :evil:


    Inwiefern könnten noch mehr alle Bundesliga-Fans zu Aktionen vereint werden? Gibt es denn überhaupt Perspektiven z.B. die unsäglichen Anstoßzeiten wieder zu ändern oder ist es schon ein Erfolg, wenn mehr als drei Spiel gleichzeitig gespielt werden?


    Ich gebe zu, ich bin da ein wenig desillusioniert...

  • Tach auch,




    ja, Deinen Eindruck kann ich an dieser Stelle - und das ist meine persönliche Meinung - nur bestätigen. Die Zusammenarbeit zwischen den Fanorganisationen wie proFans, B.A.F.F. oder UK und dem DFB / der DFL ist in der Vergangenheit eher suboptimal verlaufen. Viele Entscheidungen wurden an den Fans / den Fanorganisationen vorbei getroffen. Eine Abstimmung des Verbands / der Liga wurde in so manchen aus Sicht der Fans / der Fanorganisationen wichtigen Themenschwerpunkten nicht für nötig erachtet. Daher ist die Frage nach dem "Was tun ?!?" sicherlich berechtigt. Ich denke, mit der medienwirksamen Drohung eines Ausstiegs aus der AG Fandialog ist man insbesondere beim DFB "hellhörig" geworden. Die "Macht" der Fans ist dem DFB mit Blick auf die Vergangenheit sicherlich nicht verborgen geblieben. Der DFB möchte die AG Fandialog ja nun neu strukturieren / aufsetzen (siehe auch obiger Bericht). Was das konkret heisst, erfahren wir spätestens beim nächsten proFans-Treffen im Juli (so zumindest meine Hoffnung). Welche Perspektive / welche Mehrwerte ein entsprechender Dialog mit DFB / DFL für die Fans / die Faninitiativen in der Zukunft haben wird, ist für mich persönlich schwierig zu bewerten. Klar ist nur: Sehr viel schlechter, als dies aktuell der Fall ist, kann es m.E. eigentlich nicht mehr werden. Sollte dies so bleiben, wäre die mittel- bis langfristige Konsequenz aus meiner Sicht ein tatsächlicher Ausstieg aus einem vermeintlich "gemeinsamen" Dialog. Damit würden DFB und DFL aber der mehr oder weniger letzte noch verbliebene Weg einer (eigentlich gut gemeinten und vernünftigen) Kommunikationsmöglichkeit mit den Fans wegbrechen. Über mögliche Konsequenzen für alle Beteiligten möchte ich an dieser Stelle gar nicht erst nachdenken...



    -sb-

  • Letztendlich führt ja nach meinem Verständnis kein Weg am Dialog
    vorbei, da die Verbände/Vereine ja nun mal "das Sagen" haben. Soweit
    sie nicht für konstruktive Gespräche bereit sind, und das sind sie zT
    ja leider nicht wirklich, ist die Frage, wie man (wir) sie dazu bringen
    kann. Öffentlichkeit ist da ein guter Ansatz, allerdings reichen
    Transparente der Ultra-Szenen tatsächlich nicht mehr und auch keine
    Presseerklärung.


    Ich halte es für eine gute Idee, gnadenlos
    die Initiative zum Dialog in die Hand zu nehmen und das möglichst so zu
    vermitteln, dass die öffentliche Meinung die Realität wiederspiegelt in
    der Frage, wer da bremst und wer gesprächsbereit ist. Dazu müssen
    freilich viele mitziehen. Ob oder inwieweit das gelingen kann, werden
    wir auf dem Pro-Fans-Sommertreffen im Juli ausloten.




    Wenn, wie vor 1 1/2 Jahren, ein Vorsitzender der Innenministerkonferenz
    ausgesuchte Offizielle zusammenholt, um über Sicherheitsfragen zu
    debattieren, genauer gesagt, über ein bereits zuvor ausgehecktes
    Dokument, dabei kein einziger Fanvertreter einbezogen wird, und das der
    Öffentlichkeit als "Runden Tisch" verkauft wird, dann ist das nicht nur
    ein dreister Etikettenschwindel, sondern die Fanorganisationen vergeben
    sich etliches, wenn sie so etwas - zwar nicht unwidersprochen, aber
    ohne adäquate Reaktion - hinnehmen. Dabei sollten die Verbände doch
    eigentlich über Gesprächsangebote froh sein. Das zu verstehen, fällt
    wirklich schwer.